Belvederegarten: Die Treppe zum Olymp und der Canaletto-Blick

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Jetzt stehst du am unteren Ende eines Gartens, der wie eine Treppe zum Himmel angelegt ist: Terrassen, Kaskaden, Rasenornamente, streng geschnittene Hecken, und ganz oben thront wie eine Krone das Obere Belvedere. Geh langsam, denn dieser Garten will erstiegen werden, nicht durchquert.

Key Facts

PlaceBelvederegarten: Die Treppe zum Olymp und der Canaletto-Blick
AddressRennweg 6, 1030 Wien, Austria
Geo Coordinates48.19380, 16.38060
Part of WalkVom Karlsplatz zu Klimts Kuss: Belvedere, Schwarzenbergplatz und die Kunst der Macht in Wien
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Jetzt stehst du am unteren Ende eines Gartens, der wie eine Treppe zum Himmel angelegt ist: Terrassen, Kaskaden, Rasenornamente, streng geschnittene Hecken, und ganz oben thront wie eine Krone das Obere Belvedere. Geh langsam, denn dieser Garten will erstiegen werden, nicht durchquert.

Entworfen hat ihn Dominique Girard, ein Franzose, der sein Handwerk in der Welt von Versailles gelernt hatte. Und das ist eine feine Ironie: Prinz Eugen hatte Frankreich auf dem Schlachtfeld besiegt, holte sich aber den französischen Geschmack nach Wien. Kunsthistoriker lesen den Garten als Aufstieg, unten die irdische Welt mit ihren Elementen, oben der Bereich der Götter, und der Hausherr wandelt, wenig bescheiden, ganz nach oben.

Schau dir die Sphingen an, die an den Rampen und Treppen liegen: Löwenkörper, Frauenköpfe, und manche lächeln ziemlich verschmitzt. Sie gelten als Sinnbild von Kraft und Klugheit, also genau der Tugenden, die der Feldherr für sich beanspruchte. Auf dem Gelände hielt Eugen übrigens sogar eine Menagerie mit exotischen Tieren und Vögeln, Jahrzehnte bevor in Schönbrunn der kaiserliche Tiergarten entstand. Die Wiener mögen sie, und viele Kinder sind schon auf ihren steinernen Rücken für ein Foto gesessen, auch wenn das niemand so recht erlaubt.

Und jetzt dreh dich um. Über die Dächer hinweg siehst du die Kuppel der Karlskirche und den Turm des Stephansdoms. Genau diesen Blick hat Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, um 1760 gemalt, und das Bild hängt heute im Kunsthistorischen Museum. Weil ein geplantes Hochhaus am Heumarkt diese Silhouette verändern würde, steht das historische Zentrum von Wien seit 2017 auf der Roten Liste des gefährdeten UNESCO-Welterbes. Ein Gemälde aus dem achtzehnten Jahrhundert als Argument in einem Bauprojekt von heute... sehr wienerisch.

Weiter oben wird der Garten großzügiger, die Kaskade rauscht, und das Schloss wächst mit jedem Schritt. Steig die Rampen und Treppen hinauf bis zur obersten Terrasse, wo das Obere Belvedere auf dich wartet, mit dem berühmtesten Kuss Österreichs.

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