Schottenkirche: Wo die Babenberger Wien zur Hauptstadt machten
Why is it significant?
Stell dich auf die Freyung, neben den Brunnen mit der Austria obendrauf, und schau zur Kirche am oberen Ende des Platzes. Das ist die Schottenkirche. Bevor wir heute von Kaisern, Kronen und Särgen reden, fangen wir hier an, bei einer Familie, die in Wien kaum jemand mehr kennt.
Key Facts
| Place | Schottenkirche: Wo die Babenberger Wien zur Hauptstadt machten |
|---|---|
| Address | Freyung 6, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21200, 16.36500 |
| Part of Walk | Kaiserliches Wien: Hofburg, Heldenplatz und die Kapuzinergruft |
| Generated | Generated |
Stell dich auf die Freyung, neben den Brunnen mit der Austria obendrauf, und schau zur Kirche am oberen Ende des Platzes. Das ist die Schottenkirche. Bevor wir heute von Kaisern, Kronen und Särgen reden, fangen wir hier an, bei einer Familie, die in Wien kaum jemand mehr kennt. Ohne sie gäbe es die Hofburg, die Gruft und den ganzen Glanz, den du gleich sehen wirst, wahrscheinlich nicht.
Die Familie heißt Babenberger. Um 1155 verlegt Herzog Heinrich der Zweite seine Residenz nach Wien, damals ein Städtchen am Rand des Reiches. Seinen Spitznamen Jasomirgott soll er von seinem Lieblingsschwur haben: Ja, so mir Gott helfe. Und er holt Mönche aus Regensburg, Benediktiner aus Irland. Im Mittelalter nannte man Irland Scotia, deshalb heißen sie in Wien bis heute die Schotten, obwohl kein einziger Schotte dabei war.
Ein Jahr später, 1156, bekommt Heinrich vom Kaiser ein Dokument, das Privilegium minus. Österreich wird damit ein eigenes Herzogtum, und Wien seine Hauptstadt. Das ist, wenn du so willst, die Geburtsurkunde des Landes. Heinrich stirbt 1177 und wird genau hier begraben, in der Gruft unter deinen Füßen. Und der Platz? Freyung kommt von Freiung: Wer auf den Boden des Klosters flüchtete, war vor der weltlichen Justiz sicher, jedenfalls eine Zeit lang.
Die Babenberger halten nicht lange durch. 1246 fällt der letzte von ihnen, Friedrich der Streitbare, in einer Schlacht an der Leitha, ohne Sohn. Der Böhmenkönig Ottokar greift nach Österreich, und dann kommt ein bis dahin eher kleiner Graf aus dem Südwesten, Rudolf von Habsburg. 1278 besiegt er Ottokar auf dem Marchfeld. Damit beginnen sechshundertvierzig Jahre Habsburg, bis 1918.
Die irischen Mönche sind übrigens 1418 abgezogen und wurden durch deutschsprachige Benediktiner ersetzt. Das Kloster gibt es trotzdem bis heute, mit Gymnasium, Bibliothek und Museum, mitten in der Stadt. Jetzt geh ein Stück die Herrengasse hinunter und bieg rechts in die Landhausgasse ein. Sie führt dich zu einer Kirche, deren Turm aussieht, als hätte ihn jemand gekappt.