Am Hof: Römerlager, Babenberger und das Ende eines Reiches

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Du stehst jetzt auf dem größten Platz der Wiener Altstadt. In der Mitte eine Mariensäule aus Bronze, an der Stirnseite eine Kirchenfassade mit einem breiten Balkon, und daneben ein prächtiges Barockhaus, aus dessen Toren manchmal Feuerwehrautos fahren. Klingt nach einem gewöhnlichen Stadtplatz.

Key Facts

PlaceAm Hof: Römerlager, Babenberger und das Ende eines Reiches
AddressAm Hof, 1010 Wien, Austria
Geo Coordinates48.21110, 16.36770
Part of WalkMittelalterliches Wien: Judenplatz, Bermudadreieck und verwinkelte Gassen
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Du stehst jetzt auf dem größten Platz der Wiener Altstadt. In der Mitte eine Mariensäule aus Bronze, an der Stirnseite eine Kirchenfassade mit einem breiten Balkon, und daneben ein prächtiges Barockhaus, aus dessen Toren manchmal Feuerwehrautos fahren. Klingt nach einem gewöhnlichen Stadtplatz. Ist es aber nicht, denn unter dir liegen zweitausend Jahre.

Ganz unten liegen die Römer. Hier stand das Legionslager Vindobona, umgeben von Mauern, Gräben und Wachtürmen, und dieser Platz lag mittendrin. Als um 1155 die Babenberger nach Wien ziehen, baut Herzog Heinrich Jasomirgott genau hier seine Pfalz, seinen Hof. Daher der Name: Am Hof. Hier lebte der Hof, lange bevor die Habsburger ihre Burg ein paar Gassen weiter ausbauten.

Jetzt schau zu dem Balkon an der Kirche Am Hof. Am 6. August 1806 tritt dort ein Herold hinaus und verkündet, dass Kaiser Franz der Zweite die Krone des Heiligen Römischen Reiches niederlegt. Ein Reich, das sich auf Karl den Großen berief und rund tausend Jahre bestanden hatte, endet mit einer Ansage von einem Balkon. Napoleon hatte es zerlegt, und Franz blieb nur noch Kaiser von Österreich. Übrigens spendete vom selben Balkon 1782 Papst Pius der Sechste den Ostersegen, als er nach Wien gereist war, um Joseph den Zweiten von seinen Kirchenreformen abzubringen. Vergeblich.

Der Platz hat auch Blut gesehen. Im Oktober 1848, mitten in der Revolution, stürmt eine aufgebrachte Menge das Kriegsministerium, das damals hier stand. Kriegsminister Latour wird erschlagen und an einem Laternenmast aufgehängt. Die Mariensäule erzählt von einer älteren Angst: Kaiser Ferdinand der Dritte hatte sie gelobt, als im Dreißigjährigen Krieg die Schweden vor Wien standen. Die heutige Bronzesäule stammt von 1667.

Und das prächtige Haus mit der Feuerwehr? Das ist das alte Bürgerliche Zeughaus, das Waffenarsenal der Bürger, heute die Zentrale der Wiener Berufsfeuerwehr. Geh jetzt durch die schmale Drahtgasse hinüber zum Judenplatz. Dort wird es still.

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