Minoritenkirche: Leonardos Abendmahl aus Glassteinchen
Why is it significant?
Vor dir steht eine Kirche, die irgendwie nicht fertig aussieht: ein mächtiger gotischer Bau aus grauem Stein, und der Turm hört oben einfach auf, als hätte jemand die Spitze abgebissen. Rundherum lauter Ministerien und Palais, sehr ordentlich, sehr amtlich.
Key Facts
| Place | Minoritenkirche: Leonardos Abendmahl aus Glassteinchen |
|---|---|
| Address | Minoritenplatz 2a, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20950, 16.36380 |
| Part of Walk | Kaiserliches Wien: Hofburg, Heldenplatz und die Kapuzinergruft |
| Generated | Generated |
Vor dir steht eine Kirche, die irgendwie nicht fertig aussieht: ein mächtiger gotischer Bau aus grauem Stein, und der Turm hört oben einfach auf, als hätte jemand die Spitze abgebissen. Rundherum lauter Ministerien und Palais, sehr ordentlich, sehr amtlich. Und mittendrin dieser alte Steinriese, der sich um all das nicht kümmert.
Die Minoriten sind Franziskaner, Bettelmönche. Herzog Leopold der Sechste holt sie 1224 nach Wien. Der Überlieferung nach legt später der Böhmenkönig Ottokar, der Gegenspieler der Habsburger, den Grundstein für die gotische Kirche. Den Turmhelm verliert sie bei den Türkenbelagerungen, und statt einer neuen Spitze bekommt sie ein flaches Dach. So steht sie seitdem da, wie mit einer Mütze.
Wenn die Tür offen ist, geh hinein und schau nach links an die Wand. Dort hängt das Letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci, in Originalgröße, aber nicht gemalt, sondern aus unzähligen winzigen Glassteinchen gelegt. Napoleon hatte die Kopie in Auftrag gegeben, weil das Original in Mailand schon damals zerbröselte. Der Mosaizist Giacomo Raffaelli arbeitet jahrelang daran. Als er fertig ist, ist Napoleon gestürzt, und Kaiser Franz kauft das tonnenschwere Werk. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts landet es schließlich hier.
Eine Kopie, die Napoleon wollte und ein Habsburger bezahlte, in einer Kirche, die ein Rivale der Habsburger mitgegründet hat. Wien ist voll von solchen Pointen. Und noch eine: 1784 schenkt Kaiser Joseph der Zweite die Kirche der italienischen Gemeinde. Bis heute ist sie die italienische Nationalkirche Maria Schnee, und sonntags hörst du hier italienische Messen.
Das passt, denn der Kaiserhof sprach lange fast so viel Italienisch wie Deutsch. Opern, Baumeister, Hofmusiker, Stuckateure kamen in Scharen über die Alpen. Gleich neben der Kirche liegt übrigens das Haus-, Hof- und Staatsarchiv, das Gedächtnis der Dynastie, voller Verträge und Hochzeitsurkunden. Geh jetzt um die Kirche herum, ein paar Schritte nach Süden. Dort öffnet sich ein kleiner Platz vor einem hellen Barockpalais.