Volksgarten: Theseustempel und Kaiserin Elisabeth

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Hier, im nördlichen Teil des Volksgartens, sitzt sie: eine Frau aus weißem Marmor, ein wenig zurückgelehnt, ein wenig abwesend, ein stilles Becken vor ihr und Bäume ringsum. Kaiserin Elisabeth, die ganze Welt kennt sie als Sisi.

Key Facts

PlaceVolksgarten: Theseustempel und Kaiserin Elisabeth
AddressVolksgarten, Dr.-Karl-Renner-Ring, 1010 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20940, 16.36180
Part of WalkKaiserliches Wien: Hofburg, Heldenplatz und die Kapuzinergruft
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Hier, im nördlichen Teil des Volksgartens, sitzt sie: eine Frau aus weißem Marmor, ein wenig zurückgelehnt, ein wenig abwesend, ein stilles Becken vor ihr und Bäume ringsum. Kaiserin Elisabeth, die ganze Welt kennt sie als Sisi. Und schon ihre Haltung verrät viel: Diese Frau wollte eigentlich gar nicht angeschaut werden.

Aber zuerst zum Boden, auf dem du stehst. Bis 1809 war hier keine Wiese, sondern Festungsmauer, die Burgbastei. Schon 1683 hatten sich osmanische Mineure an dieser Bastei unter die Mauern gegraben. Und als Napoleons Truppen 1809 nach der Besetzung Wiens abzogen, sprengten sie sie in die Luft. Aus dem Schutt machte man einen Park, und 1823 wurde der Volksgarten eröffnet. Mitten hinein setzte Peter Nobile einen kleinen griechischen Tempel, eine Nachbildung des Theseions von Athen. Er war für eine Statue gebaut, Canovas Theseus im Kampf mit einem Kentauren. Die steht seit 1890 im Kunsthistorischen Museum, und der Tempel zeigt heute zeitgenössische Kunst.

Das Sisi-Denkmal wurde 1907 enthüllt, neun Jahre nach ihrem Tod. Die Figur schuf Hans Bitterlich, die Anlage Friedrich Ohmann. Elisabeth wurde 1898 in Genf an einer Schiffsanlegestelle von einem italienischen Anarchisten erstochen, mit einer zugespitzten Feile. Sie hatte das Attentat zunächst kaum bemerkt und ging noch ein paar Schritte, bevor sie zusammenbrach.

Zu Lebzeiten war Sisi in Wien gar nicht so beliebt. Sie war oft monatelang auf Reisen, mied den Hof, und ab dem mittleren Alter ließ sie sich kaum noch fotografieren. Wenn Leute sie anstarrten, hielt sie einen Fächer oder Schirm vors Gesicht. Der große Mythos kam erst nach ihrem Tod, und so richtig erst in den Fünfzigerjahren, mit den Filmen, in denen Romy Schneider sie spielte.

Im Sommer duftet es hier übrigens nach Tausenden Rosen, der Volksgarten ist dafür berühmt. Geh jetzt quer durch den Park nach Süden, am Theseustempel vorbei, bis zum großen Säulentor am Ring. Es sieht aus wie ein Stück Antike, aber es erzählt eine Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts.

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