Heldenplatz und Neue Burg: Ein halbes Kaiserforum und der 15. März 1938
Why is it significant?
Stell dich mitten auf den Heldenplatz. Vor dir schwingt sich die gewaltige, halbrunde Fassade der Neuen Burg, links und rechts reiten zwei Feldherren aus Bronze, und in der Ferne siehst du über die Bäume des Volksgartens den Turm des Rathauses. So viel Platz, mitten in der Stadt.
Key Facts
| Place | Heldenplatz und Neue Burg: Ein halbes Kaiserforum und der 15. März 1938 |
|---|---|
| Address | Neue Burg, Heldenplatz, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20540, 16.36510 |
| Part of Walk | Kaiserliches Wien: Hofburg, Heldenplatz und die Kapuzinergruft |
| Generated | Generated |
Stell dich mitten auf den Heldenplatz. Vor dir schwingt sich die gewaltige, halbrunde Fassade der Neuen Burg, links und rechts reiten zwei Feldherren aus Bronze, und in der Ferne siehst du über die Bäume des Volksgartens den Turm des Rathauses. So viel Platz, mitten in der Stadt. Und trotzdem fehlt hier etwas, nämlich die Hälfte.
Gottfried Semper und Carl von Hasenauer planten ein riesiges Kaiserforum: zwei gebogene Flügel, die sich spiegeln, verbunden mit den Museen jenseits des Rings. Gebaut wurde ab 1881 nur dieser eine Flügel, und auch der war erst 1913 fertig. Für den zweiten fehlten Geld, Zeit und am Ende das Kaiserreich selbst. Der Heldenplatz ist also eine Baustelle, die nie zu Ende ging.
Schau dir die Reiter an. Erzherzog Karl, der 1809 bei Aspern Napoleon die erste Niederlage auf dem Schlachtfeld beibrachte, sitzt auf einem Pferd, das nur auf den Hinterbeinen balanciert. Eine technische Meisterleistung von Anton Dominik Fernkorn, 1860 enthüllt. Die Legende sagt, die Anstrengung habe ihn den Verstand gekostet. Fernkorn starb tatsächlich in einer Nervenheilanstalt, der Zusammenhang aber ist erfunden. Prinz Eugen gegenüber, fünf Jahre später, durfte sich auf den Schweif seines Pferdes stützen.
Und dann die Terrasse dort oben an der Neuen Burg. Am 15. März 1938 steht Adolf Hitler darauf und verkündet einer riesigen, jubelnden Menge den Eintritt seiner Heimat in das Deutsche Reich. In den Wochen danach werden in Wien Jüdinnen und Juden gedemütigt, beraubt, verhaftet. Mehr als 65.000 österreichische Jüdinnen und Juden werden in der Schoah ermordet. Thomas Bernhard nannte sein bitterstes Theaterstück einfach Heldenplatz. Bei der Uraufführung 1988 gab es einen Skandal.
Aber der Platz hat auch Antworten bekommen. Im Jänner 1993 standen hier Hunderttausende mit Kerzen, das Lichtermeer gegen Fremdenfeindlichkeit. Seit 2013 feiert man jeden 8. Mai das Fest der Freude über die Befreiung, und seit 2018 erzählt das Haus der Geschichte Österreich in der Neuen Burg genau diese Geschichte. Geh jetzt durch den Durchgang im Leopoldinischen Trakt in den inneren Burghof.