Äußeres Burgtor: Ein Siegestor mit verstecktem Geheimnis
Why is it significant?
Vor dir steht ein wuchtiges Tor aus hellem Stein, mit dorischen Säulen und mehreren Durchgängen, wie ein Stück Athen, das jemand an die Ringstraße gestellt hat. Straßenbahnen klingeln davor, Radfahrer schießen hindurch. Lies die lateinische Inschrift oben: Iustitia regnorum fundamentum.
Key Facts
| Place | Äußeres Burgtor: Ein Siegestor mit verstecktem Geheimnis |
|---|---|
| Address | Heldenplatz, Burgring, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20570, 16.36270 |
| Part of Walk | Kaiserliches Wien: Hofburg, Heldenplatz und die Kapuzinergruft |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein wuchtiges Tor aus hellem Stein, mit dorischen Säulen und mehreren Durchgängen, wie ein Stück Athen, das jemand an die Ringstraße gestellt hat. Straßenbahnen klingeln davor, Radfahrer schießen hindurch. Lies die lateinische Inschrift oben: Iustitia regnorum fundamentum. Die Gerechtigkeit ist das Fundament der Reiche.
Das war der Wahlspruch von Kaiser Franz dem Ersten. Das Tor steht ungefähr dort, wo 1809 die französischen Sprengladungen die Stadtmauer aufgerissen hatten. Peter Nobile vollendete es 1824, und es feierte den großen Sieg über Napoleon, die Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Ein Siegestor also, für ein Kaiserreich, das sich nach den Demütigungen der Napoleonzeit wieder stark fühlen wollte.
Hundert Jahre später bekommt das Tor eine neue Rolle. 1933 und 1934 baut der autoritäre Ständestaat es zum Heldendenkmal um, mit einer Krypta für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Darin liegt eine Marmorfigur, der Tote Krieger, geschaffen vom Bildhauer Wilhelm Frass. Frass war damals schon ein überzeugter, illegaler Nationalsozialist.
Und jetzt kommt das Unglaubliche. Nach dem Krieg erzählte Frass, er habe unter seiner Figur eine Botschaft versteckt. Jahrzehntelang hielt man das für Prahlerei. 2012 sahen Historiker nach und fanden tatsächlich eine Kapsel mit einem Text, der den Nationalsozialismus verherrlicht. Fast achtzig Jahre lang hatten Staatsbesucher, Generäle und Politiker an genau dieser Stelle Kränze niedergelegt, über einer versteckten Huldigung an jene Ideologie, die Österreich ausgelöscht hatte. Danach wurde die Krypta umgestaltet.
Seit 1965 gibt es im Tor außerdem einen Weiheraum für die Opfer im Kampf um Österreichs Freiheit. Jedes Jahr am 26. Oktober, dem Nationalfeiertag, legen Bundespräsident und Regierung hier Kränze nieder. Ein Bauwerk, drei Botschaften, und jede hat versucht, die vorige zu übermalen. An diesem Tor kannst du ablesen, wie Österreich mit sich selbst ringt. Geh jetzt durch das Tor hinaus auf den Heldenplatz und lauf auf die große, gebogene Fassade zu. Hinter den beiden Reiterstatuen wartet der Platz, an dem 1938 Geschichte gemacht wurde.