Ballhausplatz: Wiener Kongress und Kanzleramt

Why is it significant?

Du stehst jetzt auf einem kleinen, eher unscheinbaren Platz vor einem hellen Barockpalais mit der rot-weiß-roten Fahne. Polizei, Kameras, manchmal Demonstranten mit Transparenten: Das ist das Bundeskanzleramt.

Key Facts

PlaceBallhausplatz: Wiener Kongress und Kanzleramt
AddressBallhausplatz 2, 1010 Wien, Austria
Geo Coordinates48.20830, 16.36390
Part of WalkKaiserliches Wien: Hofburg, Heldenplatz und die Kapuzinergruft
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Du stehst jetzt auf einem kleinen, eher unscheinbaren Platz vor einem hellen Barockpalais mit der rot-weiß-roten Fahne. Polizei, Kameras, manchmal Demonstranten mit Transparenten: Das ist das Bundeskanzleramt. Seit gut dreihundert Jahren wird in diesem Haus Politik gemacht, und eine Zeit lang war es Weltpolitik.

Der Name ist ein Überbleibsel. Hier stand einst das Ballhaus des Hofes, eine Halle, in der Adelige eine frühe Form des Tennis spielten. Das Palais selbst baut Johann Lukas von Hildebrandt ab 1717 als Geheime Hofkanzlei, später heißt es Staatskanzlei. Und sein berühmtester Hausherr ist ein Mann mit tadellosen Manieren und eiskaltem Kalkül: Fürst Metternich.

Im Herbst 1814 kommt ganz Europa nach Wien. Kaiser, Könige, Fürsten, Diplomaten, Spione, Mätressen. Napoleon ist geschlagen, und auf dem Wiener Kongress soll der Kontinent neu verteilt werden. Tagsüber wird hier am Ballhausplatz verhandelt, nachts in der Hofburg getanzt. Der alte Fürst de Ligne soll gespottet haben: Der Kongress tanzt, aber er kommt nicht vorwärts. Doch dann kehrt Napoleon von Elba zurück, und plötzlich geht alles schnell. Die Schlussakte wird im Juni 1815 unterzeichnet, neun Tage vor Waterloo.

Dieses Haus hat aber auch die dunkelsten Stunden des Landes gesehen. Am 25. Juli 1934 stürmen nationalsozialistische Putschisten das Gebäude, und Bundeskanzler Engelbert Dollfuß wird angeschossen und stirbt in seinem Amtssitz. Und am Abend des 11. März 1938 spricht Kanzler Kurt Schuschnigg von hier aus im Radio seine letzten Worte als Regierungschef: Gott schütze Österreich. Am nächsten Morgen rollt die deutsche Wehrmacht über die Grenze.

Gegenüber, im Leopoldinischen Trakt der Hofburg, residiert heute der Bundespräsident, in Räumen, in denen einst Maria Theresia wohnte. Kanzler und Präsident schauen sich also über einen Platz hinweg an, auf dem früher Bälle geschlagen wurden. Die Wiener sagen übrigens oft einfach Ballhausplatz, wenn sie die Regierung meinen, so wie man in London Downing Street sagt. Geh jetzt durch das Gittertor in den Volksgarten, gleich neben dem Kanzleramt, und folge den Wegen zu einer weißen Frau aus Marmor.

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