Riva de Biasio – die Legende vom Wursthändler
Why is it significant?
An der Riva de Biasio liegt dir der Canal Grande offen zu Füßen, gegenüber die Paläste und Kirchtürme von Cannaregio, links in der Ferne der Bahnhof. Hier halten die Vaporetti der Linie 1, und an warmen Abenden sitzen Nachbarn auf der Kante, die Füße über dem Wasser.
Key Facts
| Place | Riva de Biasio – die Legende vom Wursthändler |
|---|---|
| Address | Riva de Biasio, Santa Croce, 30135 Venezia VE, Italy |
| Geo Coordinates | 45.44190, 12.32520 |
| Part of Walk | Venedig für Genießer: Rialto-Märkte, Bacari und Cicchetti |
| Generated | Generated |
An der Riva de Biasio liegt dir der Canal Grande offen zu Füßen, gegenüber die Paläste und Kirchtürme von Cannaregio, links in der Ferne der Bahnhof. Hier halten die Vaporetti der Linie 1, und an warmen Abenden sitzen Nachbarn auf der Kante, die Füße über dem Wasser. Ein Ufer wie viele andere, könnte man meinen. Aber sein Name erzählt eine der finstersten Geschichten der Stadt, und sie handelt, leider, von Wurst.
Biasio, so erzählt die Legende, war ein luganegher, ein Wursthändler, der hier am Ufer seinen Laden hatte. Seine Würste und vor allem ein würziger Eintopf namens sguazeto waren berühmt, die Leute standen Schlange. Bis eines Tages ein Kunde in seiner Schüssel etwas fand, das dort nicht hineingehörte: einen kleinen Finger. Biasio, heißt es, hatte Kinder getötet und verarbeitet.
Die Strafe soll fürchterlich gewesen sein: Man habe ihn hingerichtet, seinen Laden zerstört, und das Ufer trage seither seinen Namen, als ewige Mahnung. Einen sicheren Beleg für diese Geschichte haben Historiker nie gefunden, und manche halten Biasio schlicht für einen ganz harmlosen Anwohner, nach dem das Ufer benannt wurde. Die Venezianer erzählen sie trotzdem seit Generationen weiter, mit wohligem Schauder.
Die luganega selbst hat einen viel friedlicheren Ruf. Ihr Name geht wohl auf die lucanica zurück, eine Wurst, die schon die alten Römer kannten und nach der Landschaft Lukanien in Süditalien benannten. In Venedig bildeten die luganegheri eine eigene Zunft mit eigenen Regeln, und eine milde Schweinswurst gleichen Namens gibt es im Veneto bis heute, gegrillt oder im Risotto.
Überhaupt hat Venedig seine Gassen nach allem benannt, was man essen und trinken kann: Calle del Forno nach dem Backofen, Calle del Pistor nach dem Bäcker, Calle dei Botteri nach den Fassmachern, Calle del Luganegher nach dem Wursthändler. Ein Stadtplan wie eine Speisekarte. Geh jetzt durch die Gassen hinter dem Ufer nach Osten, bis zu dem langen weißen Palast mit den vielen Bögen am Wasser: dem Fondaco dei Turchi.