Ghetto Vecchio: Die Synagogen der Levantiner und Spanier
Why is it significant?
Du stehst jetzt auf einem kleinen, stillen Platz, dem Campiello delle Scuole, und dir fällt sicher auf, wie hoch die Häuser hier plötzlich sind. Zwei schlichte Fassaden blicken einander an, kaum verziert, mit hohen Fenstern im oberen Stock.
Key Facts
| Place | Ghetto Vecchio: Die Synagogen der Levantiner und Spanier |
|---|---|
| Address | Campiello delle Scuole, Ghetto Vecchio, Cannaregio, 30121 Venezia VE, Italy |
| Geo Coordinates | 45.44470, 12.32570 |
| Part of Walk | Venedig abseits der Massen: Cannaregio, das Ghetto und Tintorettos Viertel |
| Generated | Generated |
Du stehst jetzt auf einem kleinen, stillen Platz, dem Campiello delle Scuole, und dir fällt sicher auf, wie hoch die Häuser hier plötzlich sind. Zwei schlichte Fassaden blicken einander an, kaum verziert, mit hohen Fenstern im oberen Stock. Hinter ihnen verbergen sich zwei der schönsten Synagogen Europas, die Scuola Levantina und die Scuola Spagnola. Von außen verraten sie fast nichts... und genau das war Absicht.
Bleiben wir kurz bei einem Wort. Auf diesem Gelände lag im Mittelalter eine Gießerei der Republik, und der Guss hieß im Venezianischen geto, mit weichem G gesprochen. Die verbreitetste Erklärung lautet: Viele der ersten jüdischen Bewohner kamen aus deutschsprachigen Ländern, sprachen das G hart aus, und so wurde aus geto das Ghetto. Ein venezianisches Handwerkerwort ist zum Weltbegriff für Ausgrenzung geworden.
Und jetzt kommt das Paradox. Dieser Teil heißt Ghetto Vecchio, das alte Ghetto, und trotzdem ist er als jüdisches Wohnviertel jünger als das neue gleich nebenan. Die Namen stammen nämlich von den Gießereien, nicht von den Menschen: Hier lag die alte, drüben die neue. Eingesperrt wurden die Juden zuerst 1516 im Ghetto Nuovo, und erst 1541 kam dieser Bereich hinzu, für jüdische Kaufleute aus der Levante, also aus dem Osmanischen Reich.
Später folgten die Ponentini, sephardische Familien, deren Vorfahren aus Spanien und Portugal vertrieben oder dort zur Taufe gezwungen worden waren. Jede Gemeinschaft betete in ihrer eigenen Scuola, nach eigenem Ritus. Scuola heißt das Haus, weil es Ort des Gebets, des Lernens und der Versammlung zugleich war. Die Spagnola ist die größte Synagoge der Stadt, innen im 17. Jahrhundert prachtvoll erneuert, und beide werden bis heute für Gottesdienste genutzt.
Geh nun die Calle del Ghetto Vecchio weiter, vorbei an kleinen Werkstätten und Läden, bis zu einer Brücke über einen schmalen Kanal. Dieser Kanal war einst eine Grenze, die man nur bei Tag überqueren durfte. Und vergiss nicht, nach oben zu schauen: Manche Fenster sitzen so dicht übereinander, dass man sich fragt, wie Menschen in diesen Stockwerken aufrecht stehen konnten. Auf der anderen Seite wird das Licht plötzlich heller, und ein Platz öffnet sich, der dich überraschen wird.