Ponte delle Guglie: Das Tor nach Cannaregio

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Bleib oben auf dem Scheitel der Brücke stehen und schau den breiten Kanal hinauf, Richtung Lagune. Vor dir liegt der Canale di Cannaregio, voller Boote und Lieferkähne, über den Fenstern hängt Wäsche, und an den Enden der Brücke ragen vier steinerne Spitzsäulen in den Himmel.

Key Facts

PlacePonte delle Guglie: Das Tor nach Cannaregio
AddressPonte delle Guglie, Rio Terà San Leonardo, Cannaregio, 30121 Venezia VE, Italy
Geo Coordinates45.44370, 12.32560
Part of WalkVenedig abseits der Massen: Cannaregio, das Ghetto und Tintorettos Viertel
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Bleib oben auf dem Scheitel der Brücke stehen und schau den breiten Kanal hinauf, Richtung Lagune. Vor dir liegt der Canale di Cannaregio, voller Boote und Lieferkähne, über den Fenstern hängt Wäsche, und an den Enden der Brücke ragen vier steinerne Spitzsäulen in den Himmel. Das sind die Guglie, die Nadeln, und sie haben der Brücke ihren Namen gegeben. Hier beginnt Cannaregio, das Viertel, in dem Venedig noch für die Venezianer selbst lebt.

Bevor 1846 die Eisenbahnbrücke über die Lagune eröffnet wurde, war dieser Kanal so etwas wie die Einfahrt in die Stadt. Wer vom Festland kam, wurde hier hereingerudert, an Palästen und Kirchen vorbei, bis der Kanal in den Canal Grande mündet. Schon im Mittelalter stand an dieser Stelle eine Holzbrücke. 1580 baute man sie in Stein neu, und 1777 wurde sie gründlich restauriert. Die Spitzsäulen waren also schon da, als Goethe 1786 nach Venedig kam.

Beug dich jetzt über die Brüstung und schau dir die Bögen an. Von dort grinsen dich steinerne Fratzen an, bärtige Köpfe mit offenen Mündern. Solche Masken sollten, so glaubte man, das Böse fernhalten, das mit dem Wasser hereinkommt. Und schau auf die Stufen: Ihre Kanten sind mit hellem istrischem Stein eingefasst, damit man im Nebel oder in der Dämmerung nicht stolpert. Venedig ist eine Stadt der Treppen, nicht nur der Kanäle.

Folge nun mit dem Blick dem Ufer auf der Seite, die dem Bahnhof abgewandt ist. Nach wenigen Dutzend Schritten öffnet sich zwischen den Häusern ein niedriger, dunkler Durchgang, ein Sotoportego. Man läuft leicht daran vorbei. Doch fast drei Jahrhunderte lang war das eine Grenze: Dahinter lag das Ghetto, und nachts wurden seine Tore verschlossen. Das Wort, das heute auf der ganzen Welt verstanden wird, ist in diesen Gassen entstanden.

Genau dorthin gehen wir jetzt. Steig von der Brücke hinunter auf die vom Bahnhof abgewandte Seite, halte dich links und folge der Fondamenta di Cannaregio am Kanal entlang. Dann tauch durch den Sotoportego del Ghetto. Achte auf die plötzliche Stille, die dich hinter dem Durchgang empfängt. Nach ein paar Metern weitet sich die Gasse zu einem kleinen Platz mit zwei unscheinbaren Fassaden.

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