Santa María la Blanca: Die Synagoge, die Kirche wurde
Why is it significant?
Bleib vor der schlichten Fassade in der Calle Santa María la Blanca stehen. Von außen wirkt die Kirche fast unscheinbar, eine helle Wand, ein Portal, ein kleiner Glockengiebel. Drinnen aber explodiert der Barock: weißer Stuck, der sich wie Spitze über Bögen und Gewölbe zieht.
Key Facts
| Place | Santa María la Blanca: Die Synagoge, die Kirche wurde |
|---|---|
| Address | Calle Santa María la Blanca 5, 41004 Sevilla, Spain |
| Geo Coordinates | 37.38650, -5.98720 |
| Part of Walk | Kaiser, Kathedrale, Judería: Sevillas Altstadt zwischen Giralda, Real Alcázar und Santa Cruz |
| Generated | Generated |
Bleib vor der schlichten Fassade in der Calle Santa María la Blanca stehen. Von außen wirkt die Kirche fast unscheinbar, eine helle Wand, ein Portal, ein kleiner Glockengiebel. Drinnen aber explodiert der Barock: weißer Stuck, der sich wie Spitze über Bögen und Gewölbe zieht.
Bevor dieser Ort eine Kirche war, war er eine Synagoge. Nach der christlichen Eroberung von 1248 lebten in diesem Viertel viele Jüdinnen und Juden, Handwerker, Ärzte, Kaufleute, Übersetzer. Im Juni 1391, nach monatelangen Hetzpredigten des Archidiakons Ferrán Martínez, brach der Sturm los. Die Judería wurde gestürmt und geplündert, Hunderte, vielleicht Tausende wurden ermordet, viele zur Taufe gezwungen. Die Synagogen wurden in Kirchen verwandelt, auch diese hier.
Die Gewalt von 1391 sprang auf weite Teile Spaniens über, und sie veränderte alles. Aus Zwangsgetauften wurden conversos, die nun unter dem Verdacht standen, heimlich weiter jüdisch zu leben. Ihretwegen setzten die Katholischen Könige 1480 in Sevilla die ersten Inquisitoren ein, und 1481 fand hier das erste Autodafé statt. 1483 wurden die Juden aus Andalusien ausgewiesen, 1492 aus ganz Spanien.
Der Raum, den du heute siehst, entstand in den 1660er-Jahren, als Sevilla die Unbefleckte Empfängnis Mariens feierte, einen Glaubenssatz, für den die Stadt mit wahrer Leidenschaft stritt. Der Name la Blanca, die Weiße, erinnert an Maria vom Schnee, und Murillo malte für diese Kirche große halbrunde Bilder, die genau diese Legende erzählen: wie in Rom mitten im August Schnee fiel und den Ort für die Kirche Santa Maria Maggiore anzeigte. Während der französischen Besatzung ab 1810 ließ Napoleons Marschall Soult sie abtransportieren; zwei davon hängen heute im Prado in Madrid. Sevilla hat sie nie zurückbekommen.
Wenn du hineingehst, schau auf die schlanken Säulen und den hellen Stuck und stell dir die Stimmen vor, die hier einst auf Hebräisch beteten. Dann geh durch die Calle Archeros und die Calle Santa Teresa nach Süden. In dieser Gasse lebte Murillo in seinen letzten Jahren, und gleich dahinter öffnet sich der Platz, auf dem er begraben wurde... auch wenn dort heute kein Grab mehr zu finden ist.