San Francesco a Ripa: Berninis selige Ludovica
Why is it significant?
Tritt in die Kirche, geh im linken Seitenschiff nach vorn bis zur letzten Kapelle und bleib dort stehen. Auf einem Lager aus Marmor liegt eine Frau, den Kopf zurückgeworfen, die Lippen leicht geöffnet, die Hände an die Brust gedrückt.
Key Facts
| Place | San Francesco a Ripa: Berninis selige Ludovica |
|---|---|
| Address | Piazza di San Francesco d'Assisi 88, 00153 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.88510, 12.47330 |
| Part of Walk | Trastevere und das Ghetto: Roms Dorf jenseits des Tibers |
| Generated | Generated |
Tritt in die Kirche, geh im linken Seitenschiff nach vorn bis zur letzten Kapelle und bleib dort stehen. Auf einem Lager aus Marmor liegt eine Frau, den Kopf zurückgeworfen, die Lippen leicht geöffnet, die Hände an die Brust gedrückt. Ihr Gewand wirft so wilde Falten, als fahre ein Sturm durch den Stein. Und von oben fällt Licht aus einem Fenster, das du nicht sehen kannst.
Das ist die selige Ludovica Albertoni, eine römische Adlige, die um 1500 hier in Trastevere lebte. Als ihr Mann starb, verschenkte sie ihr Vermögen an die Armen des Viertels und pflegte Kranke; als das Geld aufgebraucht war, so erzählt man, gab sie sogar ihre Kleider weg. Sie starb 1533. Fast anderthalb Jahrhunderte später wurde sie seliggesprochen, und ihre Familie, inzwischen eng mit dem regierenden Papst verbunden, wollte ein Denkmal.
Den Auftrag bekam Gian Lorenzo Bernini, damals über siebzig und unbestrittener Herrscher der römischen Kunst. Es ist eines seiner letzten großen Werke, vollendet um 1674, und eines seiner rätselhaftesten. Siehst du hier den Todeskampf einer Frau? Oder die Ekstase, den Augenblick, in dem die Seele mit Gott verschmilzt? Bernini lässt es offen, so wie bei seiner berühmten heiligen Teresa auf der anderen Seite der Stadt, und genau diese Zweideutigkeit verwirrt und fasziniert die Besucher seit Jahrhunderten.
Unter demselben Dach liegt ein ganz anderer Ort. Franz von Assisi soll bei einem seiner Besuche in Rom hier gewohnt haben, damals ein Hospiz für Pilger und Kranke. In seiner kleinen Zelle zeigen die Brüder einen Stein, den er als Kopfkissen benutzt haben soll. Der Heilige der Armut und die sinnlichste Skulptur Berninis, nur ein paar Mauern voneinander entfernt... so etwas bringt nur Rom fertig.
Ripa heißt übrigens Ufer. Ganz in der Nähe lag der Hafen Ripa Grande, wo bis ins 19. Jahrhundert die Schiffe vom Meer anlegten und Wein, Öl und Getreide brachten. Verlass jetzt die Kirche und geh die Via Anicia nach Nordosten, durch stille Gassen in Richtung Fluss. Hinter einem Tor mit Vorhof wartet die Schutzheilige der Musik.