Piazza dei Cavalieri di Malta: Das Schlüsselloch und Piranesis Bühne

Why is it significant?

Wenn du an der Reihe bist, beug dich vor und leg ein Auge an das Schlüsselloch der großen grünen Tür. Am Ende eines dunklen Tunnels aus geschnittenen Hecken, genau in der Mitte, steht die Kuppel des Petersdoms, hell und scharf wie im Okular eines Fernrohrs. Lass dir Zeit.

Key Facts

PlacePiazza dei Cavalieri di Malta: Das Schlüsselloch und Piranesis Bühne
AddressPiazza dei Cavalieri di Malta 3, 00153 Roma RM, Italy
Geo Coordinates41.88320, 12.47840
Part of WalkAventin und Testaccio: Schlüsselloch, Scherbenberg und Arbeiterviertel in Rom
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Wenn du an der Reihe bist, beug dich vor und leg ein Auge an das Schlüsselloch der großen grünen Tür. Am Ende eines dunklen Tunnels aus geschnittenen Hecken, genau in der Mitte, steht die Kuppel des Petersdoms, hell und scharf wie im Okular eines Fernrohrs. Lass dir Zeit. Die Leute hinter dir werden warten, und sie werden gleich genauso leise sein wie du.

Hinter der Tür liegt die Villa des Souveränen Malteserordens. Die Ritter begannen zur Zeit der Kreuzzüge in Jerusalem als Krankenpfleger für Pilger und regierten später Rhodos und Malta. In Deutschland kennst du ihre Nachfahren vermutlich aus dem Alltag: Der Malteser Hilfsdienst mit seinen Rettungswagen gehört zu diesem Orden. Der Orden hat kein eigenes Land mehr, aber er unterhält diplomatische Beziehungen zu über hundert Staaten, und sein Grundstück hier genießt Exterritorialität. Darum sagen die Römer, durch dieses Loch sehe man drei Staaten auf einmal.

Dreh dich um und betrachte den Platz. Die Mauern sind übersät mit Obelisken, Schiffsschnäbeln, Schwertern, Rüstungen und Wappen, alles aus Stuck, wie ein Bühnenbild. Entworfen hat das in den 1760er Jahren Giovanni Battista Piranesi, der Kupferstecher, dessen düstere Kerker und gewaltige Ruinen ganz Europa in Bann schlugen. Den Auftrag gab ihm ein Kardinal aus der Familie Rezzonico, Neffe des damaligen Papstes und Großprior des Ordens. Dieser Platz und die Kirche hinter der Mauer sind das Einzige, was Piranesi je wirklich gebaut hat.

Und dort ist er auch geblieben. Piranesi starb 1778 und wurde in der Kirche Santa Maria del Priorato beigesetzt, hinter genau dieser Mauer, unter einer Statue, die ihn selbst zeigt. Sein ganzes Leben hatte er Rom auf Kupferplatten gebannt, Tausende Ansichten von Ruinen, Brücken und Toren. Gebaut hat er nur ein kleines Stück davon, und ausgerechnet das schaut die halbe Welt durch ein Schlüsselloch an.

Ob das Schlüsselloch absichtlich auf die Kuppel ausgerichtet wurde, weiß niemand. Vielleicht wurde die Heckenallee einfach in der Achse der Tür gepflanzt, und den Rest erledigte der Zufall. Die Ritter schweigen dazu, und die Römer erzählen ohnehin lieber Legenden als Baugeschichte. Wenn du dich losreißen kannst, geh zur anderen Ecke des Platzes. Hinter einem Tor liegt dort eine große Abtei aus hellem Stein.

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