Cestius-Pyramide & Porta San Paolo: Ein Grab, das Goethe sich wünschte
Why is it significant?
Vor dir ragt eine Pyramide in den römischen Himmel, gut sechsunddreißig Meter hoch, mit weißem Marmor verkleidet, eingemauert in die antike Stadtmauer, neben einem Tor mit zwei runden Zinnentürmen.
Key Facts
| Place | Cestius-Pyramide & Porta San Paolo: Ein Grab, das Goethe sich wünschte |
|---|---|
| Address | Piazzale Ostiense, 00153 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.87620, 12.48150 |
| Part of Walk | Aventin und Testaccio: Schlüsselloch, Scherbenberg und Arbeiterviertel in Rom |
| Generated | Generated |
Vor dir ragt eine Pyramide in den römischen Himmel, gut sechsunddreißig Meter hoch, mit weißem Marmor verkleidet, eingemauert in die antike Stadtmauer, neben einem Tor mit zwei runden Zinnentürmen. Ein Grabmal wie aus Ägypten, mitten im Verkehr eines römischen Platzes, umkreist von Straßenbahnen und Motorrollern.
Nachdem Rom im Jahr 30 vor Christus Ägypten erobert hatte, war die Stadt verrückt nach allem Ägyptischen: Obelisken, Sphingen, Götter, Pyramiden. Ein reicher Beamter namens Gaius Cestius wollte für sein Grab eine eigene. Die Inschrift verrät, dass er zum Priesterkollegium gehörte, das die Festmähler für die Götter ausrichtete, und dass der Bau in dreihundertdreißig Tagen fertig wurde. Das war um 12 vor Christus.
Überlebt hat die Pyramide dank einer Mauer. Um 270 nach Christus ließ Kaiser Aurelian die Stadt mit einem neuen Mauerring umgeben, und seine Baumeister bezogen bestehende Bauten einfach mit ein. Die Pyramide wurde Teil der Befestigung. Daneben steht das Tor, das die Römer Porta Ostiensis nannten, heute Porta San Paolo, wo die Straße nach Ostia und zur Basilika Sankt Paul vor den Mauern beginnt.
An der Mauer des Tores hängen Gedenktafeln. Am 10. September 1943, zwei Tage nach der Bekanntgabe des Waffenstillstands zwischen Italien und den Alliierten, rückten deutsche Truppen auf Rom vor. Hier, rund um dieses Tor, stellten sich ihnen italienische Soldaten und Zivilisten entgegen, viele kaum bewaffnet. Sie verloren, und Rom blieb neun Monate lang besetzt. Aber die Römer sehen in diesem Gefecht den Beginn ihres Widerstands.
Und ganz zum Schluss noch einmal Goethe. In seinen Römischen Elegien wünschte sich der Dichter, eines Tages sanft an diesem Grabmal vorbei in die Unterwelt geführt zu werden: Cestius' Mal vorbei, leise zum Orkus hinab. Er selbst liegt in Weimar. Doch sein Sohn ruht nur ein paar Schritte von hier, im Schatten genau dieser Pyramide. So endet dein Weg, vom Rosengarten über das Schlüsselloch der Ritter bis zu einem Wunsch, den Rom auf seine eigene, etwas grausame Art erfüllt hat.