Cimitero Acattolico: Das Grab von Goethes Sohn
Why is it significant?
Öffne das Tor und tritt in den Schatten der Zypressen. Der Lärm der Straße bleibt draußen. Zwischen Gras und Veilchen stehen Grabsteine ein wenig schief, eine Katze schläft auf einem Sarkophag, und über allem erhebt sich die weiße Spitze einer Pyramide.
Key Facts
| Place | Cimitero Acattolico: Das Grab von Goethes Sohn |
|---|---|
| Address | Via Caio Cestio 6, 00153 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.87670, 12.47850 |
| Part of Walk | Aventin und Testaccio: Schlüsselloch, Scherbenberg und Arbeiterviertel in Rom |
| Generated | Generated |
Öffne das Tor und tritt in den Schatten der Zypressen. Der Lärm der Straße bleibt draußen. Zwischen Gras und Veilchen stehen Grabsteine ein wenig schief, eine Katze schläft auf einem Sarkophag, und über allem erhebt sich die weiße Spitze einer Pyramide. Der Cimitero Acattolico, der Friedhof der Nicht-Katholiken, ist vielleicht der friedlichste Ort Roms.
Im katholischen Rom durften Protestanten, Orthodoxe oder Ungläubige nicht in geweihter Erde liegen. Seit dem frühen 18. Jahrhundert begrub man deshalb die Fremden, die in der Stadt starben, hier vor den Mauern, anfangs nachts, um kein Aufsehen zu erregen. So wurde die Wiese unter der Pyramide zum Friedhof der Engländer und Deutschen, der Skandinavier und Russen, der Maler, Diplomaten und Gelehrten, die Rom geliebt hatten und hier blieben.
Such eine schlichte Stele mit einem Porträtmedaillon und einer lateinischen Inschrift: Goethe filius patri antevertens. Goethe, der Sohn, der dem Vater vorausging. Hier liegt August von Goethe, das einzige Kind des Dichters, das die frühe Kindheit überlebte. Er hatte sein Leben im Schatten des Vaters verbracht, im Weimarer Hofdienst, als Sekretär und Verwalter des großen Namens. 1830 durfte er endlich nach Italien reisen, auf den Spuren der berühmten Italienischen Reise. In Rom erkrankte er und starb im Oktober, mit vierzig Jahren.
Die Nachricht brauchte Tage bis nach Weimar. Er soll nur einen alten lateinischen Satz gesagt haben: Non ignoravi me mortalem genuisse, ich wusste, dass ich einen Sterblichen gezeugt habe. Kurz darauf erlitt er einen schweren Blutsturz, überlebte ihn und vollendete im folgenden Sommer den zweiten Teil des Faust. Seinen Sohn hat er nie wiedergesehen, nicht einmal sein Grab.
August ist hier nicht allein. Auf diesem Friedhof liegen auch die englischen Dichter John Keats, unter einem Stein ohne Namen, und Percy Bysshe Shelley; Antonio Gramsci, der Denker, der in Mussolinis Gefängnissen zugrunde ging; und Gottfried Semper, der Architekt der Dresdner Oper, der 1879 in Rom starb. Die Grabsteine sprechen Dutzende Sprachen. Wenn du den Friedhof verlässt, steht die weiße Pyramide direkt vor dir.