Monte Testaccio: Der Berg aus fünfzig Millionen Krügen
Why is it significant?
Schau dir den Hang hinter dem Zaun genau an, dort, wo die Erde abgerutscht ist. Was aussieht wie Kies, sind Scherben: rötliche, gebogene Bruchstücke von Tonkrügen, Tausende über Tausende.
Key Facts
| Place | Monte Testaccio: Der Berg aus fünfzig Millionen Krügen |
|---|---|
| Address | Via Nicola Zabaglia 24, 00153 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.87700, 12.47570 |
| Part of Walk | Aventin und Testaccio: Schlüsselloch, Scherbenberg und Arbeiterviertel in Rom |
| Generated | Generated |
Schau dir den Hang hinter dem Zaun genau an, dort, wo die Erde abgerutscht ist. Was aussieht wie Kies, sind Scherben: rötliche, gebogene Bruchstücke von Tonkrügen, Tausende über Tausende. Dieser ganze Hügel, etwa so hoch wie ein zwölfstöckiges Haus und fast einen Kilometer im Umfang, besteht aus nichts anderem.
Der Monte Testaccio, vom lateinischen testae, Scherben, enthält nach Schätzungen die Reste von rund fünfzig Millionen Amphoren. Fast alle kamen aus der Provinz Baetica, dem heutigen Andalusien, und fast alle hatten Olivenöl enthalten. Rund zweieinhalb Jahrhunderte lang, von der Zeit des Augustus bis in die Mitte des dritten Jahrhunderts, verbrauchte Rom Öl in gewaltigen Mengen, zum Kochen, für Lampen, für die Körperpflege in den Thermen.
Warum warf man die Krüge weg? Weil Öl in den unglasierten Ton einzieht und ranzig wird; ein gebrauchter Ölkrug war wertlos. Also trugen Arbeiter sie den Hang hinauf, zerschlugen sie und schichteten die Scherben sorgfältig in Terrassen, mit Kalk bestreut gegen den Gestank. Eine antike Mülldeponie mit Ordnung und System, man möchte fast sagen: typisch Verwaltung.
Und jetzt kommt ein Deutscher ins Spiel. In den 1870er Jahren kletterte der junge Archäologe Heinrich Dressel auf diesem Berg herum und las die Stempel und die aufgemalten Inschriften auf den Scherben: Hersteller, Gewicht, Kontrollbeamte, Jahreszahlen. Er begriff, dass dieser Müll die Buchhaltung des Römischen Reiches ist. Seine Einteilung der Amphorenformen benutzen Archäologen bis heute, und der bauchige Ölkrug aus Spanien heißt in jedem Lehrbuch einfach Dressel 20.
Im Mittelalter wurde der Berg zum Festplatz. Beim Karneval ließen die Römer Karren mit Schweinen den Hang hinunterrollen, und unten stürzte sich die Menge auf die Beute. Später grub man Keller in seinen Fuß, die das ganze Jahr kühl blieben, ideal für Wein. Heute sind daraus Trattorien und Clubs geworden, an denen du gleich vorbeikommst. Geh jetzt um den Hügel herum nach Westen, zu einem großen Tor mit einem Stier darauf.