Mattatoio: Wo das fünfte Viertel erfunden wurde

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Bleib vor dem monumentalen Tor stehen und schau hinauf. Oben ringt eine geflügelte Gestalt einen Stier nieder, kraftvoll, beinahe antik. So ein Tor erwartest du vor einem Museum oder einem Ministerium. Hier aber führte es über achtzig Jahre lang in den Schlachthof von Rom.

Key Facts

PlaceMattatoio: Wo das fünfte Viertel erfunden wurde
AddressPiazza Orazio Giustiniani 4, 00153 Roma RM, Italy
Geo Coordinates41.87620, 12.47310
Part of WalkAventin und Testaccio: Schlüsselloch, Scherbenberg und Arbeiterviertel in Rom
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Bleib vor dem monumentalen Tor stehen und schau hinauf. Oben ringt eine geflügelte Gestalt einen Stier nieder, kraftvoll, beinahe antik. So ein Tor erwartest du vor einem Museum oder einem Ministerium. Hier aber führte es über achtzig Jahre lang in den Schlachthof von Rom.

Der Mattatoio wurde von dem Architekten Gioacchino Ersoch geplant und zwischen 1888 und 1891 gebaut, ein Musterbetrieb seiner Zeit, mit langen Hallen aus Eisen, Gleisen und Viehpferchen bis hinunter zum Fluss. Die junge Hauptstadt wuchs rasant und wollte versorgt werden. Woche für Woche wurden hier Tausende Tiere geschlachtet, bis der Betrieb 1975 schloss.

Jetzt kommt der Teil, für den jeder Feinschmecker hier stehen sollte. Die Schlachter bekamen einen Teil ihres Lohns in Naturalien, und zwar in dem, was sonst niemand wollte: Schwänze, Kutteln, Backen, Herzen, Därme. In Rom nennt man das den quinto quarto, das fünfte Viertel, alles, was übrig bleibt, wenn die vier edlen Viertel des Tieres verkauft sind. Aus diesem Rest machten die Familien von Testaccio eine ganze Küche. Vaccinari nannte man die Männer, die hier die Rinder schlachteten und häuteten, und nach ihnen ist das berühmteste Gericht des Viertels benannt.

Coda alla vaccinara, Ochsenschwanz, stundenlang geschmort mit Tomaten und viel Sellerie. Trippa alla romana, Kutteln mit Minze und Pecorino, die Schwester der schwäbischen sauren Kutteln, nur mit mehr Stolz. Und die Mutprobe für Besucher: Rigatoni con la pajata, mit dem Darm eines Milchkalbs, in dem die Milch beim Kochen zu einer cremigen Soße gerinnt. Wegen der Rinderseuche BSE war die echte Pajata ab 2001 verboten; erst 2015 durfte sie zurück auf die römischen Teller, und Testaccio feierte.

Heute beherbergen die Eisenhallen ein Zentrum für zeitgenössische Kunst, eine Architekturfakultät der Universität Roma Tre und Märkte. Die steinernen Stiere sind noch überall, wenn du hinschaust. Folge jetzt der Via di Monte Testaccio am Südfuß des Scherbenbergs nach Osten, vorbei an den Lokalen in den alten Weinkellern, bis zu einer langen Mauer mit Zypressen dahinter.

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