Sant'Ivo alla Sapienza: Borrominis Korkenzieher
Why is it significant?
Bleib vor dem langen, strengen Palast am Corso del Rinascimento stehen und such über der Dachkante nach etwas, das hier nicht hinzugehören scheint: eine weiße Spirale, die sich wie ein Korkenzieher in den Himmel schraubt, gekrönt von steinernen Flammen.
Key Facts
| Place | Sant'Ivo alla Sapienza: Borrominis Korkenzieher |
|---|---|
| Address | Corso del Rinascimento 40, 00186 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.89850, 12.47460 |
| Part of Walk | Barockes Rom: Plätze, Kuppeln und Brunnen – das Duell von Bernini und Borromini |
| Generated | Generated |
Bleib vor dem langen, strengen Palast am Corso del Rinascimento stehen und such über der Dachkante nach etwas, das hier nicht hinzugehören scheint: eine weiße Spirale, die sich wie ein Korkenzieher in den Himmel schraubt, gekrönt von steinernen Flammen. Das ist die Laterne von Sant'Ivo alla Sapienza. Wenn das Tor offen ist, wirf einen Blick in den Innenhof, an dessen Ende sich die Kirchenfassade nach innen wölbt.
Dieser Palast war jahrhundertelang die Universität von Rom, die Sapienza, die Weisheit. 1642 bekam Borromini den Auftrag für die Universitätskirche, und er hatte ein Problem: Der Hof war schon da, eng und lang, von einem anderen Architekten gebaut. Borromini machte daraus ein Rätsel. Der Grundriss beruht auf zwei ineinandergeschobenen Dreiecken, einem sechszackigen Stern, und die Wände schwingen abwechselnd nach innen und nach außen.
Manche sehen in diesem Grundriss eine Biene, das Wappentier der Barberini, denn begonnen wurde unter Papst Urban dem Achten. Fertig war die Kirche erst 1660, nach drei Päpsten aus drei Familien, und jeder wollte sein Wappen darin wiederfinden. Innen ist sie fast ganz weiß, kaum Gold, kaum Farbe. Wer hereinkommt, schaut automatisch nach oben, wo sich die Wände ohne Bruch in die Kuppel verwandeln, wie ein Stoff, den jemand nach oben zieht.
Borromini war ein Genie, aber kein glücklicher Mensch. Er war verschlossen, jähzornig und misstrauisch, und er musste zusehen, wie Bernini, charmant und gesellig, die großen Aufträge und den Ruhm einsammelte. Im Sommer 1667 stürzte er sich in einer Nacht der Verzweiflung in sein eigenes Schwert und starb am folgenden Tag. Die Spirale über dir wirkt fast wie ein Selbstporträt: unruhig, nach oben strebend, nie ganz zur Ruhe kommend.
Heute gehört der Palast dem Staatsarchiv, und die Studenten sind längst in die moderne Universitätsstadt gezogen. Geh jetzt um den Palast herum, vorbei an der Piazza Sant'Eustachio, und weiter nach Osten zu einem kleinen Platz vor einer gotischen Kirche. Dort wartet ein Elefant auf dich... kein echter, aber einer mit einer ziemlich frechen Rückseite.