Pasquino: Die Statue, die nicht schweigen kann
Why is it significant?
Vor dir, an der Ecke eines großen Palastes, lehnt ein Stück Marmor, das aussieht, als hätte es eine Kneipenschlägerei verloren: kein Gesicht mehr, keine Arme, nur ein verdrehter Oberkörper und daneben der Rest eines zweiten Körpers.
Key Facts
| Place | Pasquino: Die Statue, die nicht schweigen kann |
|---|---|
| Address | Piazza di Pasquino, 00186 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.89770, 12.47230 |
| Part of Walk | Barockes Rom: Plätze, Kuppeln und Brunnen – das Duell von Bernini und Borromini |
| Generated | Generated |
Vor dir, an der Ecke eines großen Palastes, lehnt ein Stück Marmor, das aussieht, als hätte es eine Kneipenschlägerei verloren: kein Gesicht mehr, keine Arme, nur ein verdrehter Oberkörper und daneben der Rest eines zweiten Körpers. Und trotzdem ist das vielleicht die frechste Statue der ganzen Stadt. Darf ich vorstellen... Pasquino.
Gefunden wurde er 1501 bei Straßenarbeiten ganz in der Nähe, und Kardinal Oliviero Carafa ließ den Torso an dieser Ecke aufstellen. Fachleute erkennen darin die Kopie einer hellenistischen Gruppe: wahrscheinlich Menelaos, der den toten Patroklos aus der Schlacht um Troja trägt. Ein Held der Ilias, also. Und woher der Name kommt? Die Legende erzählt von einem Schneider oder Barbier namens Pasquino, der in der Nachbarschaft über die Mächtigen lästerte, bis man seinen Namen einfach auf den Stein übertrug.
Bald hefteten die Römer nachts Zettel an den Sockel, kurze Gedichte voller Gift gegen Päpste, Kardinäle und deren gierige Verwandtschaft. Am Morgen lachte die ganze Stadt. Der berühmteste Spruch traf Papst Urban den Achten aus der Familie Barberini, der antike Bronze für seine Bauten einschmelzen ließ: Quod non fecerunt barbari, fecerunt Barberini... was die Barbaren nicht geschafft haben, haben die Barberini geschafft.
Und jetzt ein Detail, das dir bekannt vorkommen dürfte: Das deutsche Wort Pasquill, eine anonyme Schmähschrift, stammt genau von diesem Steinmann. Päpste versuchten, ihn zum Schweigen zu bringen, ließen ihn bewachen und drohten den Dichtern mit harten Strafen. Einer soll sogar überlegt haben, ihn in den Tiber werfen zu lassen... bis man ihn warnte, dann würde Pasquino eben wie ein Frosch aus dem Wasser weiterquaken.
Pasquino war nie allein. Es gab einen ganzen Klub sprechender Statuen, sechs an der Zahl, darunter den Marforio auf dem Kapitol und die Madama Lucrezia, und sie antworteten einander in Versen wie in einem steinernen Chat. Bis heute kleben hier Zettel gegen wen auch immer gerade regiert. Geh jetzt ein paar Schritte nach Norden, und vor dir öffnet sich der schönste Platz Roms.