Sant'Ignazio: Die Kuppel, die es nicht gibt
Why is it significant?
Bevor du in die Kirche gehst, dreh dich einmal um: Die Häuser gegenüber schwingen in sanften Kurven, als wären sie Kulissen auf einer Bühne, und die Kirchenfassade ist das Publikum. Genau so hat es der Architekt Filippo Raguzzini um 1728 gedacht.
Key Facts
| Place | Sant'Ignazio: Die Kuppel, die es nicht gibt |
|---|---|
| Address | Piazza di Sant'Ignazio, 00186 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.89880, 12.47980 |
| Part of Walk | Barockes Rom: Plätze, Kuppeln und Brunnen – das Duell von Bernini und Borromini |
| Generated | Generated |
Bevor du in die Kirche gehst, dreh dich einmal um: Die Häuser gegenüber schwingen in sanften Kurven, als wären sie Kulissen auf einer Bühne, und die Kirchenfassade ist das Publikum. Genau so hat es der Architekt Filippo Raguzzini um 1728 gedacht. Die Römer fanden, die geschwungenen Häuser sähen aus wie französische Kommoden, und nannten sie burrò, nach dem Wort bureau. Eine Gasse heißt bis heute Via de' Burrò.
Die Kirche selbst ist dem Gründer der Jesuiten geweiht, Ignatius von Loyola, und wurde ab 1626 gebaut. Entworfen hat sie ein Jesuit und Mathematiker, Orazio Grassi... und der Name sollte dich aufhorchen lassen, wenn du gerade vom Elefanten kommst. Grassi war Galileis Gegner in einem berühmten Streit über Kometen, und Galilei antwortete ihm mit einer Streitschrift voller Spott. Man darf vermuten, dass die beiden nicht zusammen essen gingen.
Jetzt geh hinein, bis zu der gelben Marmorscheibe im Boden des Mittelschiffs, und schau nach oben. Über dir öffnet sich der Himmel: Ignatius schwebt ins Licht, Engel und die vier Erdteile wirbeln um ihn herum, und die Mauern der Kirche scheinen einfach weiter in die Wolken zu wachsen. Das hat der Jesuitenbruder Andrea Pozzo in den 1690er-Jahren gemalt, und nur von dieser Scheibe aus stimmt jede Linie perfekt.
Dann geh weiter nach vorn und schau zur Vierung. Da ist eine Kuppel, mit Säulen, Fenstern und Licht... und sie ist vollkommen flach. Für die echte Kuppel war kein Geld mehr da, und angeblich protestierten auch die Nachbarn, weil sie ihnen das Licht genommen hätte. Also malte Pozzo 1685 eine Kuppel auf eine runde Leinwand von etwa siebzehn Metern Durchmesser. Geh ein paar Schritte weiter, und die Illusion kippt: Plötzlich siehst du, wie schief und verzerrt alles in Wirklichkeit ist.
Gleich nebenan liegt das Collegio Romano, die Kaderschmiede der Jesuiten, in der Generationen von Gelehrten und Missionaren ausgebildet wurden. Für uns geht es jetzt hinaus und durch die Via de' Burrò. Gleich dahinter stehst du auf der Piazza di Pietra vor elf gewaltigen antiken Säulen, eingebaut in die Wand eines späteren Gebäudes: die Reste des Tempels für den vergöttlichten Kaiser Hadrian. Schau sie dir im Vorbeigehen an und geh weiter nach Norden zur Via del Corso.