Via della Reginella: Die Gasse, die das Ghetto überlebte
Why is it significant?
Geh langsam durch diese enge Gasse und schau an den Fassaden hinauf: hohe, schmale Häuser, dicht aneinandergedrängt, mit Fenstern bis unter das Dach. Die Via della Reginella ist eine der wenigen Straßen, die vom alten Ghetto übrig geblieben sind. So eng und so hoch war hier einmal alles.
Key Facts
| Place | Via della Reginella: Die Gasse, die das Ghetto überlebte |
|---|---|
| Address | Via della Reginella, 00186 Roma RM, Italy |
| Geo Coordinates | 41.89350, 12.47760 |
| Part of Walk | Trastevere und das Ghetto: Roms Dorf jenseits des Tibers |
| Generated | Generated |
Geh langsam durch diese enge Gasse und schau an den Fassaden hinauf: hohe, schmale Häuser, dicht aneinandergedrängt, mit Fenstern bis unter das Dach. Die Via della Reginella ist eine der wenigen Straßen, die vom alten Ghetto übrig geblieben sind. So eng und so hoch war hier einmal alles.
Das Ghetto war winzig, nur wenige Hektar groß, und darin lebten zeitweise mehrere tausend Menschen. Weil man nicht in die Breite bauen durfte, baute man in die Höhe, Stockwerk um Stockwerk. Jahrhundertelang war den Juden fast jeder Beruf verboten, außer dem Handel mit Altkleidern und Trödel. Also flickten, nähten und verkauften sie, und aus Resten machten sie etwas Neues. Genau das taten sie auch in der Küche.
Die jüdisch-römische Küche ist eine Kunst der Armut. Am berühmtesten sind die Carciofi alla giudia, Artischocken nach jüdischer Art: im Ganzen in Olivenöl frittiert, bis sie sich öffnen wie eine bronzene Blüte und knistern wie Pergament. Dazu kommen frittierte Zucchiniblüten und zum Nachtisch die dunkle Pizza ebraica, ein hartes, süßes Gebäck voller Mandeln, Pinienkerne und kandierter Früchte. Wenn du in diesen Gassen eine Bäckerei mit einer Schlange davor siehst, stell dich einfach an.
Erst 1870 wurde das Ghetto aufgelöst, als letztes in Westeuropa, und bald darauf ließ die Stadt die meisten seiner Häuser abreißen, auch um die Hochwassergefahr zu bannen. Mit den neuen Ufermauern verschwand ein ganzes Labyrinth. Was blieb, ist dieses kleine Viertel, das die Römer bis heute einfach il Ghetto nennen, ohne Bitterkeit, fast zärtlich. Hier wohnen noch immer jüdische Familien, hier gibt es Schulen, koschere Läden und das Leben einer Gemeinde.
Damit endet dein Weg durch das Dorf jenseits des Tibers und wieder zurück. Du bist über die Brücke eines eitlen Papstes gekommen, hast eine Heilige im Marmor schlafen sehen, eine Insel der Heilung betreten und Namen im Pflaster gelesen. Rom erzählt seine Geschichten nicht nacheinander, sondern übereinander, Schicht auf Schicht. Und wenn du dir jetzt hier eine Artischocke bestellst... dann bist du für einen Moment selbst ein Teil davon.