Portikus der Octavia: Fischmarkt, Ghetto und der 16. Oktober 1943

Why is it significant?

Vor dir ragen die Ruinen einer antiken Säulenhalle aus dem Pflaster: korinthische Säulen, ein Giebel, dazwischen Ziegelflicken aus späterer Zeit, und mitten hinein gebaut der Eingang einer kleinen Kirche. Rundherum Tische von Restaurants, Kinder auf Rollern, alte Männer im Gespräch.

Key Facts

PlacePortikus der Octavia: Fischmarkt, Ghetto und der 16. Oktober 1943
AddressVia del Portico d'Ottavia 29, 00186 Roma RM, Italy
Geo Coordinates41.89250, 12.47890
Part of WalkTrastevere und das Ghetto: Roms Dorf jenseits des Tibers
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Vor dir ragen die Ruinen einer antiken Säulenhalle aus dem Pflaster: korinthische Säulen, ein Giebel, dazwischen Ziegelflicken aus späterer Zeit, und mitten hinein gebaut der Eingang einer kleinen Kirche. Rundherum Tische von Restaurants, Kinder auf Rollern, alte Männer im Gespräch. Das ist der Portikus der Octavia, und er erzählt gleich drei Geschichten.

Die erste ist kaiserlich. Augustus ließ diese Säulenhalle für seine Schwester Octavia errichten, eine riesige Anlage mit Tempeln, Bibliotheken und Kunstwerken. Nach einem Brand wurde sie um 200 nach Christus erneuert. Im Mittelalter wurde daraus der Fischmarkt Roms. Such die Marmortafel an der Wand: Sie bestimmte, dass von jedem Fisch, der länger war als die Tafel, der Kopf an die Stadtväter abzuliefern war. Fischköpfe galten als Delikatesse für die Suppe.

Die zweite Geschichte ist bitter. 1555 sperrte Papst Paul IV. die Juden Roms in ein Ghetto, ein paar Gassen am Fluss, die bei jedem Hochwasser überschwemmt wurden. Nachts wurden die Tore verschlossen. In die Kirche Sant'Angelo in Pescheria, hier im Portikus, mussten Juden zu Bekehrungspredigten erscheinen. Man erzählt, manche hätten sich Wachs in die Ohren gesteckt, um kein Wort hören zu müssen.

Die dritte Geschichte trägt ein Datum: 16. Oktober 1943. Wenige Wochen zuvor hatte der SS-Chef in Rom, Herbert Kappler, von der Gemeinde fünfzig Kilo Gold verlangt, binnen sechsunddreißig Stunden. Römer, Juden wie Nichtjuden, brachten das Gold zusammen. Es half nichts. Im Morgengrauen jenes Samstags umstellten deutsche Soldaten das Viertel, und über tausend Menschen wurden nach Auschwitz deportiert. Nur sechzehn von ihnen kehrten zurück.

Der kleine Platz hier heißt heute Largo 16 ottobre 1943. Und schau vor einigen Hauseingängen zu Boden: kleine Messingplatten im Pflaster, mit Namen, Geburtsjahr und dem Tag der Deportation. Es sind Stolpersteine, eine Idee des deutschen Künstlers Gunter Demnig. Bleib bei einem stehen und lies den Namen leise vor. Dann geh weiter in die schmale Via della Reginella, die von der Hauptstraße nach Norden abzweigt.

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