Der Melantrich-Balkon: Havel und Dubček 1989
Why is it significant?
Bleib auf der Mitte des Platzes stehen und schau hinauf zur Fassade des Hauses Nummer 36, zu dem schmalen Balkon über dem Eingang. Er sieht völlig unscheinbar aus. Aber im November 1989 war das die wichtigste Bühne der Tschechoslowakei.
Key Facts
| Place | Der Melantrich-Balkon: Havel und Dubček 1989 |
|---|---|
| Address | Václavské náměstí 793/36, 110 00 Praha 1, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.08180, 14.42620 |
| Part of Walk | Panzer, Kerzen und Schlüsselbunde: Prag 1968 und 1989 rund um den Wenzelsplatz |
| Generated | Generated |
Bleib auf der Mitte des Platzes stehen und schau hinauf zur Fassade des Hauses Nummer 36, zu dem schmalen Balkon über dem Eingang. Er sieht völlig unscheinbar aus. Aber im November 1989 war das die wichtigste Bühne der Tschechoslowakei.
Das Gebäude gehörte dem Verlag Melantrich, der die Zeitung Svobodné slovo herausgab, das Blatt einer kleinen Blockpartei, die bis dahin brav mit den Kommunisten mitregiert hatte. Nach dem 17. November aber stellte sich die Redaktion auf die Seite der Demonstranten. Und weil das Bürgerforum keine Lautsprecher und keine Bühne hatte, öffnete der Verlag ihm diesen Balkon.
Jeden Tag füllte sich der Wenzelsplatz, hunderttausende Menschen, vom Museum bis hinunter zum Graben. Am 24. November trat hier Alexander Dubček auf, der Mann des Prager Frühlings, der zwanzig Jahre lang als Forstarbeiter aufs Abstellgleis geschoben worden war. Neben ihm Václav Havel, der Dramatiker, der wenige Monate zuvor noch im Gefängnis gesessen hatte. Noch am selben Abend trat die gesamte Parteiführung zurück. Drei Tage später legte ein zweistündiger Generalstreik das ganze Land lahm, und Millionen Menschen zeigten, auf welcher Seite sie standen.
Und dann das Geräusch, an das sich jeder erinnert, der dabei war: Hunderttausende zogen ihre Schlüsselbunde aus der Tasche und schüttelten sie. Ein klirrendes Meer aus Metall, das bedeutete: Es ist Zeit zu gehen, eure Zeit ist abgelaufen. Auch die Sängerin Marta Kubišová, zwei Jahrzehnte lang mit Auftrittsverbot belegt, stand in jenen Tagen hier oben und sang vor der Menge. Viele weinten.
Es wurde kein einziger Schuss abgefeuert, deshalb nennt man sie die Samtene Revolution. Aber leicht war es nicht, und niemand wusste in jenen Tagen, ob nicht doch noch Panzer kommen würden. Ende Dezember wurde Dubček Vorsitzender des Parlaments und Havel Präsident... die beiden Männer vom Balkon. Geh jetzt den Platz hinunter bis zum Můstek und dann durch die Straße 28. října bis zur Národní. Unter einer Arkade auf der linken Seite findest du Kerzen und eine Bronzetafel mit Händen... dort hat alles angefangen.