Franziskanergarten: Eine Oase hinter Maria Schnee

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Lass den Lärm hinter dir und tritt in den Garten. Rosenbeete, ein Brunnen, Bänke unter Obstbäumen, und über allem ragt die gewaltige Rückwand der Kirche Maria Schnee auf. Hundert Meter vom Wenzelsplatz entfernt, und du hörst plötzlich Vögel. Kaiser Karl IV.

Key Facts

PlaceFranziskanergarten: Eine Oase hinter Maria Schnee
AddressFrantiškánská zahrada, Jungmannovo náměstí, 110 00 Praha 1, Czechia
Geo Coordinates50.08220, 14.42390
Part of WalkPanzer, Kerzen und Schlüsselbunde: Prag 1968 und 1989 rund um den Wenzelsplatz
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Lass den Lärm hinter dir und tritt in den Garten. Rosenbeete, ein Brunnen, Bänke unter Obstbäumen, und über allem ragt die gewaltige Rückwand der Kirche Maria Schnee auf. Hundert Meter vom Wenzelsplatz entfernt, und du hörst plötzlich Vögel.

Kaiser Karl IV. gründete die Kirche 1347, am Tag nach seiner Krönung, und plante sie als größtes Gotteshaus Prags. Gebaut wurde nur der Chor... aber der ist so hoch, über dreißig Meter, dass er bis heute alle Nachbarhäuser überragt. Der Garten gehörte zum Kloster, erst den Karmelitern, ab 1604 den Franziskanern, die ihm seinen Namen gaben. Seit 1950 ist er ein öffentlicher Park.

Und doch ist auch dieser stille Ort ein Startpunkt von Revolutionen. Hier predigte im Sommer 1419 der radikale Prediger Jan Želivský. Am 30. Juli zog er mit seinen Anhängern von Maria Schnee hinüber zum Neustädter Rathaus, und dort wurden die Ratsherren aus dem Fenster gestürzt. Der Erste Prager Fenstersturz begann die Hussitenkriege. Želivský selbst überlebte seinen Triumph nicht lange: 1422 ließen ihn gemäßigtere Gegner im Altstädter Rathaus enthaupten.

Prag hat eine merkwürdige Tradition: Seine Umbrüche beginnen oft in Gärten, Hinterhöfen und Kirchen, bevor sie auf die Plätze hinausbrechen. 1419 ein Prediger, 1968 ein paar Reformer in Parteibüros, 1989 eine Handvoll Studenten und Schauspieler, die sich in Theaterkellern berieten. Der eigentliche Mut wächst im Kleinen. Setz dich ruhig einen Moment auf eine Bank und denk darüber nach. Während ringsum die Straßenbahnen klingeln und die Touristenströme über den Wenzelsplatz ziehen, ist dieser Garten vielleicht der beste Ort in Prag, um zu verstehen, wie still große Veränderungen manchmal anfangen.

Die Franziskaner sind übrigens zurückgekehrt; nach der Wende erhielten sie ihr Kloster wieder, und ihre Mönche gehen in braunen Kutten durch den Garten wie vor Jahrhunderten. Verlass den Garten jetzt durch die Passage Světozor hinaus auf den Wenzelsplatz. Nur ein paar Häuser weiter, auf derselben Seite, steht das Haus Nummer 36, und an seiner Fassade ein Balkon, auf dem die Revolution ein Gesicht bekam.

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