Libušes Bad: Der Blick über die Moldau
Why is it significant?
Tritt an die Mauer und schau hinunter: Tief unter dir glitzert die Moldau, Straßenbahnen kriechen am Ufer entlang, und weit im Norden, über Dächern und Brücken, erhebt sich die Prager Burg. Gleich neben dir hängt eine Ruine über dem Abgrund, Libušes Bad genannt.
Key Facts
| Place | Libušes Bad: Der Blick über die Moldau |
|---|---|
| Address | V Pevnosti, 128 00 Praha 2, Czechia |
| Geo Coordinates | 50.06340, 14.41610 |
| Part of Walk | Prag Vyšehrad: Libuše, die Moldau und der Felsen der Legenden |
| Generated | Generated |
Tritt an die Mauer und schau hinunter: Tief unter dir glitzert die Moldau, Straßenbahnen kriechen am Ufer entlang, und weit im Norden, über Dächern und Brücken, erhebt sich die Prager Burg. Gleich neben dir hängt eine Ruine über dem Abgrund, Libušes Bad genannt.
In Wirklichkeit sind das die Reste einer gotischen Wachbastion. Aber die Sage weiß es besser: Hier soll die Fürstin Libuše gebadet haben, und düsterere Versionen erzählen, sie habe ihre Liebhaber anschließend durch eine Falltür in den Fluss stürzen lassen. Solche Geschichten erzählte man sich über mächtige Frauen gern, und es ist keine davon wahr.
Die schönste Sage aber spielt genau an diesem Ort. Libuše soll hier gestanden, auf die bewaldeten Hügel gegenüber geschaut und gerufen haben: Ich sehe eine große Stadt, deren Ruhm die Sterne berühren wird. So, sagt die Legende, wurde Prag gegründet. Ihren Boten soll sie gesagt haben, sie würden einen Mann finden, der an der Schwelle seines Hauses arbeitet, und von diesem Wort, práh, die Schwelle, habe die Stadt ihren Namen. Die Archäologen lächeln dazu höflich: Die Burg dort drüben ist nach ihren Funden älter als die Siedlung hier oben.
Und jetzt die Melodie, die ich dir am Zollhaus versprochen habe. Bedřich Smetana schrieb zwischen 1874 und 1879 den Zyklus Mein Vaterland, Má vlast, und das, obwohl er in dieser Zeit völlig ertaubt war. Der erste Teil heißt Vyšehrad, mit Harfen, die wie ein Barde aus alter Zeit klingen. Der zweite Teil ist die Moldau: zwei Quellen, ein Bach, ein Fluss, Jäger, eine Bauernhochzeit, Nixen im Mondlicht, die Stromschnellen, und dann fließt die Musik breit und majestätisch an genau diesem Felsen vorbei, und das Vyšehrad-Motiv kehrt zurück.
Jedes Jahr am 12. Mai, Smetanas Todestag, beginnt das Festival Prager Frühling traditionell mit Má vlast. Wenn du heute Abend die Moldau summst, weißt du jetzt, wo sie zu Hause ist. Hier endet dein Weg: auf dem Felsen der Sagen, über dem Fluss der Flößer. Bleib noch, solange du magst, und lass die Moldau unter dir weiterfließen.