Café Arco: Das Kaffeehaus des Prager Kreises

Why is it significant?

Bleib an der Ecke stehen, wo die Dlážděná auf die Hybernská trifft, und stell dir hinter den Fenstern im Erdgeschoss Rauch, Zeitungen und erregte Stimmen vor. Hier lag das Café Arco, eröffnet 1907.

Key Facts

PlaceCafé Arco: Das Kaffeehaus des Prager Kreises
AddressHybernská 1004/16, 110 00 Praha 1, Czechia
Geo Coordinates50.08710, 14.43250
Part of WalkKafka, Rilke und das deutsche Prag: Ein Literaturspaziergang durch Alt- und Neustadt
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Bleib an der Ecke stehen, wo die Dlážděná auf die Hybernská trifft, und stell dir hinter den Fenstern im Erdgeschoss Rauch, Zeitungen und erregte Stimmen vor. Hier lag das Café Arco, eröffnet 1907. Das Kaffeehaus gibt es längst nicht mehr, aber für ein paar Jahre war es der lauteste literarische Salon Mitteleuropas.

Die Stammgäste nannten sich die Arconauten. Franz Werfel, damals Anfang zwanzig, deklamierte seine Gedichte so lautstark, dass die Nachbartische mithörten. Sein Gedichtband Der Weltfreund erschien 1911 und machte ihn über Nacht berühmt. Max Brod, Egon Erwin Kisch, Willy Haas, Ernst Pollak... und manchmal, still in einer Ecke, Franz Kafka. Aus Wien kam ein boshafter Vers, der Karl Kraus zugeschrieben wird: Es werfelt und brodelt und kafkat und kischt. Spott, natürlich. Aber auch eine Liste, die heute in jeder Literaturgeschichte steht.

Ernst Pollak hatte eine junge tschechische Frau, eine Journalistin mit wachem Blick: Milena Jesenská. Über diesen Kreis lernte sie Kafka kennen. 1920 übersetzte sie seine Erzählung Der Heizer ins Tschechische, die erste Übersetzung eines Kafka-Textes überhaupt. Und daraus wurde ein Briefwechsel, der zu den bewegendsten Liebesgeschichten der Literatur gehört: die Briefe an Milena.

Milena blieb nicht bei Worten. Unter der deutschen Besatzung half sie Verfolgten bei der Flucht und schrieb gegen die Besatzer an. 1939 wurde sie verhaftet und starb 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück. Die meisten Gäste des Arco haben die Stadt verlassen, sind geflohen, vertrieben oder ermordet worden. Werfel schrieb im amerikanischen Exil, Brod in Tel Aviv. Das Arco blieb zurück wie eine leere Bühne.

Und das ist vielleicht das Seltsamste an diesem Spaziergang: Das deutsche Prag existiert nicht mehr, aber seine Bücher sind lebendiger als je zuvor. Kafka ist heute der berühmteste Prager überhaupt, Rilke wird auf der ganzen Welt gelesen, und Kischs Reportagen klingen frisch wie gestern. Der Bahnhof Masarykovo nádraží ist gleich nebenan... und von Prag aus fuhren sie fast alle irgendwann hinaus in die Welt. Danke, dass du ihre Stadt mit mir gelesen hast.

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