Saint-Eustache: Die Kirche der Markthallen
Why is it significant?
Bleib einen Moment neben dem riesigen Steinkopf stehen, der hier auf dem Pflaster liegt, die Wange in eine Hand gestützt, als würde er lauschen.
Key Facts
| Place | Saint-Eustache: Die Kirche der Markthallen |
|---|---|
| Address | 2 Impasse Saint-Eustache, 75001 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.86320, 2.34480 |
| Part of Walk | Paris unter Glas: Louvre, Palais-Royal und die Passagen Walter Benjamins |
| Generated | Generated |
Bleib einen Moment neben dem riesigen Steinkopf stehen, der hier auf dem Pflaster liegt, die Wange in eine Hand gestützt, als würde er lauschen. Hinter ihm türmt sich Saint-Eustache auf, ein Koloss mit gotischem Skelett und Renaissance-Gewand, für viele Pariser die schönste Kirche der Stadt, die kaum ein Besucher auf dem Zettel hat.
Die Skulptur heißt L'Écoute, Das Zuhören, und der Bildhauer Henri de Miller hat sie 1986 hierhergelegt. Sie lauscht auf ein Viertel, das verschwunden ist. Denn bis in die 1970er Jahre standen gleich nebenan die Hallen, die großen Markthallen aus Eisen und Glas, die Émile Zola den Bauch von Paris nannte. Nachts rumpelten Karren mit Kohl, Fisch und Fleisch heran, und im Morgengrauen kamen die Marktleute in diese Kirche, ihre Kirche.
Gebaut wurde Saint-Eustache ab 1532, über hundert Jahre lang, und genau das sieht man ihr an. Der Grundriss ist der einer gotischen Kathedrale, mit Strebepfeilern und schwindelnd hohen Gewölben. Aber die Säulen tragen antike Kapitelle, als hätte sich ein Baumeister des Mittelalters unsterblich in Italien verliebt. Die Westfassade wurde erst im 18. Jahrhundert davorgesetzt, klassisch und streng, mit einem zweiten Turm, der nie fertig wurde.
Und was für ein Taufregister! Hier wurden Richelieu und Molière getauft, später die Marquise de Pompadour, und der junge Ludwig XIV. empfing hier seine Erstkommunion. 1778 fand in dieser Kirche die Trauerfeier für Anna Maria Mozart statt, die ihren Sohn Wolfgang auf seiner Reise nach Paris begleitet hatte und dort starb. Die Orgel gilt mit rund achttausend Pfeifen als die größte Frankreichs, und Hector Berlioz ließ hier 1855 sein gewaltiges Te Deum zum ersten Mal erklingen.
Die Hallen sind längst fort, an ihrer Stelle wölbt sich heute ein riesiges, geschwungenes Glasdach über einem Einkaufszentrum. Aber der Kopf lauscht weiter, geduldig. Geh jetzt nach Westen, an der runden Kuppel der Bourse de Commerce vorbei, bis zur Rue Jean-Jacques Rousseau. Dort öffnet sich ein schmales Portal zur ersten Passage dieses Spaziergangs.