Galerie Vivienne & Galerie Colbert: Die Schöne und ihre Rivalin
Why is it significant?
Unter einem gläsernen Dach fällt weiches Licht auf einen Mosaikboden mit Sternen, Kreisen und Rauten, und an den Wänden schweben Göttinnen, Anker und Füllhörner aus Stuck. Willkommen in der Galerie Vivienne, für viele die schönste Passage von Paris.
Key Facts
| Place | Galerie Vivienne & Galerie Colbert: Die Schöne und ihre Rivalin |
|---|---|
| Address | 4 Rue des Petits-Champs, 75002 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.86650, 2.33980 |
| Part of Walk | Paris unter Glas: Louvre, Palais-Royal und die Passagen Walter Benjamins |
| Generated | Generated |
Unter einem gläsernen Dach fällt weiches Licht auf einen Mosaikboden mit Sternen, Kreisen und Rauten, und an den Wänden schweben Göttinnen, Anker und Füllhörner aus Stuck. Willkommen in der Galerie Vivienne, für viele die schönste Passage von Paris.
Gebaut wurde sie ab 1823 im Auftrag eines wohlhabenden Notars und 1826 eröffnet, mitten im großen Passagenfieber. Die Lage war ideal, zwischen dem Palais-Royal, damals dem Zentrum des Pariser Vergnügens, und der neuen Börse ein paar Straßen weiter. Hier gab es Schneider, Weinhändler, Drucker und Buchhändler. Ein Antiquariat mit Leitern bis unter die Decke hält hier seit dem 19. Jahrhundert die Stellung.
Eine Adresse in dieser Passage hat einen besonderen Ruf. In Nummer 13 soll Eugène-François Vidocq gewohnt haben, ein ehemaliger Sträfling und Ausbrecherkönig, der die Seiten wechselte und Chef der Pariser Sicherheitspolizei wurde. Später gründete er eine der ersten privaten Detekteien überhaupt. Balzac ließ sich von ihm zu seinem Verbrecher Vautrin inspirieren, und auch Victor Hugo soll an ihn gedacht haben, als er Jean Valjean und Javert erfand... einen Sträfling und einen Polizisten, beide in einer Person.
Jetzt geh hinüber in die Nachbarpassage, die Galerie Colbert. Sie wurde 1826 als direkte Konkurrenz gebaut, mit einer prächtigen Rotunde unter einer Glaskuppel, um der Vivienne die Kundschaft abzujagen. In der Mitte der Rotunde stand ein großer Kandelaber aus Bronze, der abends wie ein leuchtender Baum strahlte, und die Pariser nannten ihn, so heißt es, die Kokospalme. Der Plan ging trotzdem nicht auf. Die Colbert verödete, verfiel und wurde erst in den 1980er Jahren aufwendig restauriert. Heute gehört sie zum Institut für Kunstgeschichte, und unter der Kuppel gehen Studierende statt Kunden ein und aus.
Zwei Passagen Wand an Wand, eine gewann, eine verlor... das ganze 19. Jahrhundert im Kleinen. Ein Mann hat genau solche Orte gesammelt wie andere Briefmarken, und er saß jahrelang fast täglich nur ein paar Schritte von hier. Geh durch die Galerie Colbert hinaus zur Rue Vivienne. Auf der anderen Seite der Straße beginnt die alte Nationalbibliothek.