Galerie Véro-Dodat: Die Passage der zwei Metzger
Why is it significant?
Tritt durch das schmale Portal, und plötzlich wird die Stadt leise. Vor dir liegt ein Gang aus dunklem Holz und Messing, mit Schaufenstern wie Puppenstuben und bemalten Deckenfeldern, und unter deinen Füßen breiten sich schwarze und weiße Fliesen aus, schräg verlegt wie ein Schachbrett, das jemand…
Key Facts
| Place | Galerie Véro-Dodat: Die Passage der zwei Metzger |
|---|---|
| Address | 19 Rue Jean-Jacques Rousseau, 75001 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.86280, 2.34020 |
| Part of Walk | Paris unter Glas: Louvre, Palais-Royal und die Passagen Walter Benjamins |
| Generated | Generated |
Tritt durch das schmale Portal, und plötzlich wird die Stadt leise. Vor dir liegt ein Gang aus dunklem Holz und Messing, mit Schaufenstern wie Puppenstuben und bemalten Deckenfeldern, und unter deinen Füßen breiten sich schwarze und weiße Fliesen aus, schräg verlegt wie ein Schachbrett, das jemand gedreht hat.
Die Galerie Véro-Dodat wurde 1826 eröffnet, und ihre Erbauer waren weder Architekten noch Adlige, sondern zwei Charcutiers, zwei Wurstwarenhändler namens Véro und Dodat, die mit Pasteten und Schinken reich geworden waren. Sie steckten ihr Geld in eine Wette auf die Zukunft. In der Nachbarschaft fuhren damals, so heißt es, die Postkutschen ab, und wer auf seine Abfahrt wartete, sollte nicht im Matsch stehen, sondern trocken bummeln, schauen und kaufen.
Und schau auf den Boden. Die diagonalen Fliesen sind ein optischer Trick: Sie lassen den Gang, der nicht einmal hundert Meter lang ist, deutlich länger wirken. Die Ladenfronten sind aus dunkel gebeiztem Holz mit Messingleisten, und an der Decke wechseln sich gemalte Landschaften und Figuren aus der Mythologie ab. Véro-Dodat gehörte außerdem zu den ersten Passagen mit Gasbeleuchtung. Stell dir die Pariser vor, die abends nur hierherkamen, um zu sehen, wie hell die Nacht auf einmal sein konnte.
Die Passagen waren die Vorläufer der Kaufhäuser, überdachte Straßen aus Glas und Eisen, in denen Paris das Einkaufen als Vergnügen erfand. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Dutzende davon. Dann kamen Haussmanns breite Boulevards und die großen Warenhäuser, und eine Passage nach der anderen verödete oder wurde abgerissen. Heute sind kaum mehr als zwei Dutzend übrig. Ein deutscher Philosoph wird uns am Ende dieses Spaziergangs erklären, warum gerade diese vergessenen Gänge so viel über die Moderne verraten.
Die Straße draußen hieß übrigens früher Rue Plâtrière, und hier wohnte in seinen letzten Pariser Jahren Jean-Jacques Rousseau, der Mann, der die Rückkehr zur Natur predigte... ausgerechnet zwischen Kutschen und Ladenzeilen. Geh jetzt durch die Passage hinaus zur Rue du Bouloi und dann nach Süden zur Rue de Rivoli. Gegenüber öffnet sich ein Tor in den ältesten Hof des Louvre.