Passage des Panoramas: Gaslicht, Rundbilder und Zolas Nana
Why is it significant?
Tauch ein in das Gewirr: ein schmaler Hauptgang mit Seitenarmen, ein Glasdach, alte Schilder über den Läden, Briefmarkenhändler mit dicken Alben im Fenster, Graveure und Restaurants, deren Tische eng an eng stehen. Der Passage des Panoramas sieht man ihr Alter an, und genau darin liegt ihr Charme.
Key Facts
| Place | Passage des Panoramas: Gaslicht, Rundbilder und Zolas Nana |
|---|---|
| Address | 11 Boulevard Montmartre, 75002 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.87100, 2.34170 |
| Part of Walk | Paris unter Glas: Louvre, Palais-Royal und die Passagen Walter Benjamins |
| Generated | Generated |
Tauch ein in das Gewirr: ein schmaler Hauptgang mit Seitenarmen, ein Glasdach, alte Schilder über den Läden, Briefmarkenhändler mit dicken Alben im Fenster, Graveure und Restaurants, deren Tische eng an eng stehen. Der Passage des Panoramas sieht man ihr Alter an, und genau darin liegt ihr Charme.
Sie wurde 1799 eröffnet, ganz am Ende des Revolutionsjahrzehnts, und ihren Namen verdankt sie zwei runden Türmen, die damals am Eingang zum Boulevard standen. Darin hingen Panoramen, riesige Rundgemälde, die den Zuschauer in der Mitte vollständig umgaben: Ansichten von Paris, von fernen Städten, von Schlachten. Das Patent dafür hatte der Amerikaner Robert Fulton nach Paris gebracht, der nebenbei an einem Unterseeboot für Napoleon tüftelte. Die Rotunden sind längst abgerissen, aber der Name ist geblieben.
1817 wurde in dieser Passage die Gasbeleuchtung ausprobiert, als eine der ersten in Paris. Stell dir das Staunen vor: Draußen versanken die Straßen im Dunkel, und dieser Gang glühte. Hinten grenzt bis heute das Théâtre des Variétés an, ein Haus für Operetten und Komödien. Durch einen Bühneneingang in der Passage huschten die Schauspielerinnen hinein... und ihre Verehrer warteten davor. Die Briefmarkenhändler kamen später, und bis heute treffen sich hier die Sammler.
Genau so beschreibt es Émile Zola 1880 in seinem Roman Nana: Die Verehrer der Schauspielerin warten in der Passage des Panoramas, zwischen glänzenden Schaufenstern, Gaslicht und Spiegeln. Walter Benjamin hat solche Szenen geliebt. Für ihn waren die Passagen das Traumbild des 19. Jahrhunderts, ein Ort, an dem die Ware zum ersten Mal wie im Märchen ausgestellt wurde. Und ihre wichtigste Figur war der Flaneur, der Spaziergänger ohne Ziel. Du bist gerade einer.
Auch ein anderer Deutscher kannte diese Boulevards gut: Heinrich Heine kam 1831 nach Paris, blieb bis zu seinem Tod 1856 und schrieb seinen Lesern in Deutschland über Theater, Börse und Politik der Hauptstadt. Geh jetzt durch den Hauptgang hinaus auf den Boulevard Montmartre. Direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, beginnt die nächste Passage.