Passage Jouffroy & Passage Verdeau: Das Ende der Passagen
Why is it significant?
Über dir wölbt sich ein Dach aus Glas und Eisen, schlanker und heller als in der Passage gegenüber, und unter dir glänzt ein Boden aus Marmorfliesen. Spielzeugläden, Spazierstöcke, Puppenhäuser, ein altes Hotel und gleich am Anfang der Ausgang eines Wachsfigurenkabinetts.
Key Facts
| Place | Passage Jouffroy & Passage Verdeau: Das Ende der Passagen |
|---|---|
| Address | 10-12 Boulevard Montmartre, 75009 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.87280, 2.34240 |
| Part of Walk | Paris unter Glas: Louvre, Palais-Royal und die Passagen Walter Benjamins |
| Generated | Generated |
Über dir wölbt sich ein Dach aus Glas und Eisen, schlanker und heller als in der Passage gegenüber, und unter dir glänzt ein Boden aus Marmorfliesen. Spielzeugläden, Spazierstöcke, Puppenhäuser, ein altes Hotel und gleich am Anfang der Ausgang eines Wachsfigurenkabinetts. Die Passage Jouffroy ist die jüngere Schwester... und war die modernste ihrer Zeit.
Gebaut wurde sie von 1845 bis 1847, und sie war die erste Passage in Paris, deren Dach ganz aus Eisen und Glas bestand, ganz ohne Holz. Dazu kam eine Fußbodenheizung, ein Luxus, für den die Pariser im Winter eigens hierherkamen. Das Musée Grévin, das Wachsfigurenkabinett, eröffnete 1882 nebenan. Ganz hinten knickt die Passage ab, ein paar Stufen hinunter, vorbei an einem Hotel, das 1846 eröffnete und den Namen Chopin trägt.
Über die Rue de la Grange-Batelière geht es weiter in die Passage Verdeau, 1847 eröffnet, still und ein wenig verstaubt, mit Antiquariaten, alten Fotoapparaten, Postkarten und Stichen. Hier wirkt das 19. Jahrhundert fast unberührt. Kaum Gedränge, nur das Rascheln von Papier und das Klingeln einer Ladentür.
Walter Benjamin wollte genau das verstehen: warum diese Gänge, die so strahlend modern begonnen hatten, schon zu seiner Zeit wie Ruinen wirkten. Den Anstoß gab ihm ein Buch des Surrealisten Louis Aragon, Le Paysan de Paris, das von der Passage de l'Opéra erzählt, kurz bevor sie für den Boulevard Haussmann abgerissen wurde. Benjamin schrieb, er habe abends im Bett nie mehr als ein paar Seiten davon lesen können, so sehr habe ihm das Herz geklopft. In den Passagen sah er den Ursprung unserer Welt aus Kaufhäusern, Werbung und Schaufenstern.
Und so endet dieser Spaziergang dort, wo Benjamins Gedanken wohnten: zwischen Glas, Eisen und schönem Kram, in einer Stadt, die ihre Vergangenheit nie ganz wegwirft. Du hast bei einer Kirche begonnen, die einem verschwundenen Markt nachlauscht, bist durch den Keller der Könige, unter Napoleons Bogen und durch den Garten der Revolution gegangen. Bleib noch ein wenig, stöbere in einem Antiquariat... und lass dich, ganz im Sinne Benjamins, ohne Ziel treiben.