Bibliothèque nationale, Site Richelieu: Benjamins Lesesaal
Why is it significant?
Hinter den Mauern dieses langen Häuserblocks verbirgt sich der Ort, an dem Frankreich seit Jahrhunderten sein Gedächtnis aufbewahrt: das Quadrilatère Richelieu, der historische Sitz der Nationalbibliothek.
Key Facts
| Place | Bibliothèque nationale, Site Richelieu: Benjamins Lesesaal |
|---|---|
| Address | 58 Rue de Richelieu, 75002 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.86730, 2.33840 |
| Part of Walk | Paris unter Glas: Louvre, Palais-Royal und die Passagen Walter Benjamins |
| Generated | Generated |
Hinter den Mauern dieses langen Häuserblocks verbirgt sich der Ort, an dem Frankreich seit Jahrhunderten sein Gedächtnis aufbewahrt: das Quadrilatère Richelieu, der historische Sitz der Nationalbibliothek. Geh in den Hof, und wenn die Türen offen stehen, wirf einen Blick in den großen ovalen Lesesaal mit seiner Glaskuppel.
Die königliche Bibliothek zog im 18. Jahrhundert in diese Gebäude, die einst zum Stadtpalast von Kardinal Mazarin gehört hatten. Seine Galerie mit den bemalten Decken ist bis heute erhalten. Über die Jahrhunderte wuchs die Sammlung zu Millionen von Bänden, Handschriften, Landkarten, Münzen und Medaillen. Die meisten Bücher sind in den 1990er Jahren in den Neubau im Osten der Stadt umgezogen, aber Handschriften, Karten und Stiche sind geblieben.
Das Herzstück ist der Salle Labrouste, 1868 von Henri Labrouste vollendet: sechzehn schlanke gusseiserne Säulen tragen neun Kuppeln, jede mit einem runden Oberlicht. Man liest dort wie unter einem Blätterdach aus Licht. Dazu kommt der ovale Saal, an dem Jahrzehnte gebaut wurde und der in den 1930er Jahren fertig war. Seit der großen Renovierung, die 2022 abgeschlossen wurde, kann ihn jeder betreten, ohne Leseausweis.
Und jetzt kommt der deutsche Gast. Walter Benjamin, Philosoph, Kritiker und leidenschaftlicher Sammler, saß ab Ende der 1920er Jahre immer wieder in diesem Lesesaal, ab 1933 als Exilant auf der Flucht vor den Nazis. Hier häufte er Zettel um Zettel an für ein Buch über die Pariser Passagen: Exzerpte, Zitate, Gedanken, über tausend Seiten. Als die deutsche Armee im Juni 1940 auf Paris vorrückte, floh er. Seine Manuskripte vertraute er einem Bibliothekar dieses Hauses an, dem Schriftsteller Georges Bataille, der sie hier versteckte.
Benjamin kam nur bis an die spanische Grenze, nach Portbou, wo er sich im September 1940 das Leben nahm. Seine Zettel aber überlebten den Krieg in diesen Regalen, und 1982 erschien das unvollendete Werk als Das Passagen-Werk. Jetzt gehen wir dorthin, wo er seine Fragen gestellt hat. Folge der Rue Vivienne nach Norden, an der Börse vorbei, bis zur Rue Saint-Marc. Dort öffnet sich der Eingang zu einer der ältesten Passagen der Stadt.