Rue Chanoinesse: Héloïse, Abaelard und das Viertel der Domherren
Why is it significant?
Hör einmal hin: Hier ist es plötzlich still. Die Rue Chanoinesse ist schmal und leicht gekrümmt, gesäumt von grauen Häusern, schweren Holztoren und versteckten Höfen. Nur ein paar Schritte vom Gedränge vor der Kathedrale fühlt sich Paris an wie eine verschlafene Kleinstadt.
Key Facts
| Place | Rue Chanoinesse: Héloïse, Abaelard und das Viertel der Domherren |
|---|---|
| Address | Rue Chanoinesse, 75004 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.85400, 2.35050 |
| Part of Walk | Paris zwischen den Inseln: Île Saint-Louis, das Viertel der Domherren und die Bouquinisten der Seine |
| Generated | Generated |
Hör einmal hin: Hier ist es plötzlich still. Die Rue Chanoinesse ist schmal und leicht gekrümmt, gesäumt von grauen Häusern, schweren Holztoren und versteckten Höfen. Nur ein paar Schritte vom Gedränge vor der Kathedrale fühlt sich Paris an wie eine verschlafene Kleinstadt.
Der Name verrät, wer hier wohnte: die chanoines, die Domherren von Notre-Dame. Im Mittelalter war dieses Viertel ihr Kreuzgang, ein abgeschlossener Bezirk mit eigenen Toren, die abends verriegelt wurden. Hier lebten Geistliche, ihre Diener und die Schüler der Domschule. Denn bevor am linken Ufer die Universität entstand, lehrten genau hier, im Schatten der Kathedrale, die klügsten Köpfe Europas.
Einer von ihnen hieß Peter Abaelard, ein brillanter und ziemlich eitler Philosoph, dem die Studenten in Scharen nachliefen. Um 1116 zog er als Untermieter in das Haus des Domherrn Fulbert, offiziell, um dessen Nichte zu unterrichten: Héloïse, jung und außergewöhnlich gebildet. Sie soll Latein, Griechisch und sogar etwas Hebräisch gekonnt haben, ein kleines Wunder für eine Frau ihrer Zeit. Aus dem Unterricht wurde Leidenschaft, aus der Leidenschaft ein Kind, und aus dem Kind ein Skandal, über den ganz Paris tuschelte.
Die beiden heirateten heimlich, doch Fulbert fühlte sich betrogen und rächte sich grausam. Er ließ Abaelard nachts überfallen und entmannen. Abaelard ging ins Kloster, Héloïse wurde Nonne, und die beiden sahen sich kaum noch. Aber sie schrieben einander Briefe, voller Theologie, Sehnsucht und bitterer Vorwürfe, und diese Briefe gehören bis heute zu den berühmtesten Liebesbriefen der Weltliteratur. Seit 1817 liegen die beiden in einem gemeinsamen Grab auf dem Friedhof Père-Lachaise, wo Verliebte ihnen noch immer Zettel hinterlassen.
In welchem Haus genau das alles geschah, weiß niemand. Eine Inschrift am Quai aux Fleurs ganz in der Nähe behauptet es zu wissen, doch das Gebäude dort stammt aus dem 19. Jahrhundert. Einige Häuser am östlichen Ende dieser Gasse reichen dagegen in ihrem Kern wirklich weit zurück, bis ins 16. Jahrhundert. Geh jetzt zurück und dann nach Süden, um die Rückseite der Kathedrale herum, in den kleinen Park hinter Notre-Dame.