Die Bouquinisten am Quai de Montebello & der Pont au Double
Why is it significant?
Bleib vor einer der grünen Holzkisten an der Ufermauer stehen. Tagsüber klappt der Deckel auf, und heraus quellen vergilbte Taschenbücher, alte Stiche, Postkarten, Plakate und Zeitschriften aus längst vergangenen Jahrzehnten.
Key Facts
| Place | Die Bouquinisten am Quai de Montebello & der Pont au Double |
|---|---|
| Address | Quai de Montebello, 75005 Paris, France |
| Geo Coordinates | 48.85220, 2.34800 |
| Part of Walk | Paris zwischen den Inseln: Île Saint-Louis, das Viertel der Domherren und die Bouquinisten der Seine |
| Generated | Generated |
Bleib vor einer der grünen Holzkisten an der Ufermauer stehen. Tagsüber klappt der Deckel auf, und heraus quellen vergilbte Taschenbücher, alte Stiche, Postkarten, Plakate und Zeitschriften aus längst vergangenen Jahrzehnten. Hinter dir rauscht der Verkehr, vor dir fließt die Seine, und drüben auf der Insel ragen die Türme von Notre-Dame auf.
Bouquinisten gibt es an den Ufern der Seine schon seit dem 16. Jahrhundert. Damals zogen Händler mit Büchern in Körben und Bauchläden über die Brücken, sehr zum Ärger der etablierten Buchhändler, die sie als Konkurrenz und als Verbreiter verbotener Schriften verfolgen ließen. Erst im 19. Jahrhundert bekamen sie feste Plätze an den Kaimauern, und seit 1891 dürfen sie ihre Kisten über Nacht hier stehen lassen.
Heute sind es über zweihundert Bouquinisten mit rund neunhundert Kisten, verteilt auf mehr als drei Kilometer an beiden Ufern. Jede Kiste hat vorgeschriebene Maße, und alle tragen dasselbe Dunkelgrün, das die Pariser vert wagon nennen, die Farbe der alten Eisenbahnwagen. Man nennt sie gern die größte Freiluftbuchhandlung der Welt, und Paris bemüht sich, sie auf die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO zu bringen.
Vor den Olympischen Spielen 2024 sollten die Kisten für die Eröffnungsfeier auf der Seine vorübergehend abgebaut werden, aus Sicherheitsgründen. Die Bouquinisten wehrten sich, viele Kisten seien zu alt, um sie abzumontieren, und ganz Paris stand auf ihrer Seite. Am Ende entschied der Präsident persönlich: Die Bouquinisten bleiben. Und gleich neben dir überspannt der kleine Pont au Double den Fluss. Sein Name stammt vom doppelten Denier, der Münze, die man im 17. Jahrhundert als Brückenzoll zahlen musste.
Damit endet dieser Spaziergang dort, wo Paris seine Geschichten seit Jahrhunderten verkauft... für ein paar Münzen, aus einer grünen Kiste. Du hast zwei Inseln umrundet, von Liebenden, Bildhauerinnen und Dichtern gehört, von Brücken, die einstürzten, und von einer Kathedrale, die wieder aufersteht. Stöbere ruhig noch ein wenig. Vielleicht findest du einen alten Stich von genau der Brücke, auf der du eben noch gestanden hast.