Wiener Platz & Hofbräukeller: Maibaum, Standl und ein dunkles Kapitel

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Schau zuerst nach oben: Ein weiß-blau geringelter Maibaum ragt über den Platz, behängt mit Zunftzeichen, und darunter drängen sich kleine Holzstandl mit Obst, Blumen und Brezen, als wäre Haidhausen noch immer ein Dorf vor den Toren der Stadt. Genau das war es auch, sehr lange.

Key Facts

PlaceWiener Platz & Hofbräukeller: Maibaum, Standl und ein dunkles Kapitel
AddressInnere Wiener Straße 19, 81667 München, Germany
Geo Coordinates48.13440, 11.59550
Part of WalkJenseits der Isar: Verborgenes München zwischen Praterinsel, Haidhausen und der Au
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Schau zuerst nach oben: Ein weiß-blau geringelter Maibaum ragt über den Platz, behängt mit Zunftzeichen, und darunter drängen sich kleine Holzstandl mit Obst, Blumen und Brezen, als wäre Haidhausen noch immer ein Dorf vor den Toren der Stadt. Genau das war es auch, sehr lange.

Haidhausen ist älter als München selbst. Schon um 800 taucht der Ort in einer Urkunde auf, als Heidhusir, Jahrhunderte bevor Heinrich der Löwe drüben an der Isar seinen Markt gründete. Erst 1854 wurde Haidhausen eingemeindet, zusammen mit der Au und Giesing. Die Standl auf dem Platz sind übrigens keine Buden für ein Fest, sondern feste kleine Häuschen, in denen das ganze Jahr über verkauft wird. Und der Maibaum? Der wird in Bayern gern von den Nachbarn gestohlen, und wer ihn zurückwill, zahlt Lösegeld in Bier und Brotzeit... deshalb wird er vor dem Aufstellen tagelang bewacht.

Das große Haus mit dem Biergarten an der Ecke ist der Hofbräukeller. Im späten 19. Jahrhundert verlegte die Hofbräu-Brauerei ihre Produktion aus der engen Altstadt hierher nach Haidhausen, auf das Isarhochufer. Der Grund liegt unter deinen Füßen: In den Hang ließen sich tiefe Keller graben, in denen das Bier auch im Sommer kühl blieb. Über den Kellern pflanzte man Kastanien, deren Schatten den Boden zusätzlich kühlte... und weil man dort ohnehin saß, war der Biergarten geboren.

Dieser Saal hat aber auch eine Geschichte, die man nicht weglassen darf. Im Oktober 1919 sprach hier, bei einer kleinen Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei, ein damals völlig unbekannter Redner zum ersten Mal öffentlich: Adolf Hitler. Ein Bierkeller wie viele andere in München, und doch einer der Orte, an denen eine Katastrophe ihren Anfang nahm. Diese Stadt hat lange gebraucht, über solche Orte offen zu sprechen.

Heute sitzen hier Studierende, Familien und alte Haidhauser beim Feierabendbier, und der Platz ist wieder, was er immer war: ein Treffpunkt. Geh jetzt die Innere Wiener Straße ein Stück weiter und biege rechts zum Johannisplatz ab, wo der hohe Kirchturm steht.

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