Maximilianeum: Ein Palast für Abgeordnete und Hochbegabte

Why is it significant?

Dreh dich mit dem Rücken zum Portal und schau die Maximilianstraße hinunter: schnurgerade, über die Brücke, durch das Forum, bis tief hinein in die Altstadt. Diese Achse ist kein Zufall. Sie wurde gebaut, damit genau dieses Gebäude am Ende stehen kann wie ein Schlussakkord.

Key Facts

PlaceMaximilianeum: Ein Palast für Abgeordnete und Hochbegabte
AddressMax-Planck-Straße 1, 81675 München, Germany
Geo Coordinates48.13640, 11.59440
Part of WalkJenseits der Isar: Verborgenes München zwischen Praterinsel, Haidhausen und der Au
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Dreh dich mit dem Rücken zum Portal und schau die Maximilianstraße hinunter: schnurgerade, über die Brücke, durch das Forum, bis tief hinein in die Altstadt. Diese Achse ist kein Zufall. Sie wurde gebaut, damit genau dieses Gebäude am Ende stehen kann wie ein Schlussakkord.

Bauherr war König Maximilian II., ein nachdenklicher Monarch, der lieber Professoren als Generäle um sich hatte. Sein Programm hieß Fortschritt durch Bildung: Gelehrte sollten den König beraten, Künstler sollten Bayern ein modernes Gesicht geben. Er wollte einen eigenen, neuen Baustil erfinden, weder rein gotisch noch rein klassisch, und die Münchner nennen das Ergebnis bis heute den Maximilianstil. 1857 wurde der Grundstein gelegt, der Architekt hieß Friedrich Bürklein. Fertig war der Bau erst 1874, da war der König längst tot.

Und jetzt die eigentliche Überraschung. Gedacht war das Maximilianeum nicht für Politiker, sondern für junge Talente. Max II. gründete eine Stiftung für besonders begabte bayerische Abiturienten, und die gibt es noch heute: Stipendiatinnen und Stipendiaten wohnen und studieren in diesem Haus, Juristinnen neben Physikern, Musiker neben Medizinerinnen, und sie bekommen vor allem eines: Gesellschaft von klugen Köpfen. Unter demselben Dach, ein paar Flure weiter, tagt seit 1949 der Bayerische Landtag. Wo sonst lernt man fürs Examen, während nebenan Gesetze beschlossen werden?

Auch der Bayerische Senat hatte hier seinen Sitz, eine zweite Kammer aus Vertretern von Kirchen, Gewerkschaften, Wirtschaft und Wissenschaft, einzigartig in Deutschland. 1998 schafften die Bayern ihn per Volksentscheid ab. Das Haus ist also auch ein Denkmal dafür, dass Bürger ihre eigene Verfassung ändern können.

Wenn die Abendsonne von Westen auf die Fassade fällt, leuchtet der helle Stein, und der ganze Bau scheint über der Stadt zu schweben. Das ist die Stunde, in der Einheimische auf den Treppen sitzen und hinunterschauen. Rundherum ziehen sich die Maximiliansanlagen am Hochufer entlang, ein Park, der die Fassade einrahmt wie eine Bühne. Geh jetzt nach rechts, hinter dem Bau entlang und hinüber nach Haidhausen, zum Wiener Platz mit seinem Maibaum.

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