Kriechbaumhof & die Herbergen: Wohnen auf kleinstem Raum
Why is it significant?
Vor dir steht ein Haus, das aussieht, als hätte man es aus einem Bergdorf hierher getragen: Holz, ein flaches Dach, eine Außentreppe, kleine Fenster mit Blumenkästen. Rundherum Altbauten und Autos... und mittendrin dieses Häuschen, als wäre die Zeit an ihm vorbeigegangen.
Key Facts
| Place | Kriechbaumhof & die Herbergen: Wohnen auf kleinstem Raum |
|---|---|
| Address | Preysingstraße 71, 81667 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.13240, 11.60000 |
| Part of Walk | Jenseits der Isar: Verborgenes München zwischen Praterinsel, Haidhausen und der Au |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein Haus, das aussieht, als hätte man es aus einem Bergdorf hierher getragen: Holz, ein flaches Dach, eine Außentreppe, kleine Fenster mit Blumenkästen. Rundherum Altbauten und Autos... und mittendrin dieses Häuschen, als wäre die Zeit an ihm vorbeigegangen.
Das ist der Kriechbaumhof, benannt nach einem früheren Besitzer, und er hat tatsächlich schon einmal den Standort gewechselt. Ursprünglich stand er an anderer Stelle in Haidhausen. Als er in den 1970er-Jahren einem Neubau weichen sollte, wurde er Balken für Balken abgetragen und später hier an der Preysingstraße wieder aufgebaut. Heute nutzt ihn die Jugend des Alpenvereins... ein Berghaus mitten in der Stadt, das passt. Holz, Laube, Außentreppe: So schlicht waren viele dieser Häuser gezimmert, oft von den Bewohnern selbst.
Häuser wie dieses nannte man Herbergen. In ihnen lebten Tagelöhner, Ziegelarbeiter, Wäscherinnen und kleine Handwerker, die sich ein Haus innerhalb der Stadt nie hätten leisten können. Das Besondere: Oft gehörte nicht das ganze Haus einer Familie, sondern nur ein Teil, ein Stockwerk, eine Stube, manchmal ein einzelnes Zimmer. Man könnte sagen, Haidhausen und die Au haben das Wohnungseigentum erfunden, lange bevor es ein Gesetz dafür gab... aus purer Not. Und weil sich mehrere Parteien ein Dach teilten, wurde natürlich gestritten, über undichte Ziegel, Treppen und den Brunnen im Hof. Die Eigentümerversammlung ist also auch keine moderne Erfindung.
Die meisten Herbergen wurden im 19. und 20. Jahrhundert abgerissen, als Mietshäuser die Hänge eroberten. Dass einige überlebt haben, ist Bürgern zu verdanken, die in den 1970er-Jahren gegen den Abriss ganzer Straßenzüge protestierten. Haidhausen wurde damals saniert statt planiert, und genau das macht das Viertel heute so begehrt. Die Ironie ist kaum zu übersehen: Die Quartiere der Ärmsten zählen heute zu den teuersten Adressen der Stadt.
Achte auf dem Weg nach Westen auf die niedrigen Häuser zwischen den hohen, manche nur zwei Fenster breit. Folge jetzt der Preysingstraße zurück Richtung Isar bis zum großen Backsteinbau an der Rosenheimer Straße, dem Gasteig.