Johannisplatz: Das alte Dorfherz von Haidhausen
Why is it significant?
Stell dich unter die Bäume und leg den Kopf in den Nacken: Der Turm von St. Johann Baptist schießt aus rotem Backstein steil nach oben, spitz wie ein Bleistift, viel zu groß, möchte man meinen, für diesen stillen Platz mit Bänken und spielenden Kindern.
Key Facts
| Place | Johannisplatz: Das alte Dorfherz von Haidhausen |
|---|---|
| Address | Johannisplatz, 81667 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.13380, 11.59830 |
| Part of Walk | Jenseits der Isar: Verborgenes München zwischen Praterinsel, Haidhausen und der Au |
| Generated | Generated |
Stell dich unter die Bäume und leg den Kopf in den Nacken: Der Turm von St. Johann Baptist schießt aus rotem Backstein steil nach oben, spitz wie ein Bleistift, viel zu groß, möchte man meinen, für diesen stillen Platz mit Bänken und spielenden Kindern.
Genau dieser Widerspruch erzählt die Geschichte von Haidhausen. Hier stand jahrhundertelang die Kirche eines Dorfes, ein kleines Gotteshaus für Bauern, Fuhrleute und Ziegelarbeiter. Dann wuchs der Ort im 19. Jahrhundert explosionsartig, und die Gemeinde baute sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts diesen neugotischen Riesen. Die alte Dorfkirche blieb daneben stehen, wie ein kleiner Bruder, der nicht weichen wollte.
Warum wuchs Haidhausen so schnell? Wegen des Lehms. Der Boden östlich der Isar lieferte Ton für Ziegel, und in den Ziegeleien rund um Haidhausen wurden die Steine gebrannt, mit denen das wachsende München gebaut wurde. Die Arbeit war hart und saisonal, viele Ziegler kamen von weit her, aus dem Friaul oder aus Böhmen, und wohnten in engsten Verhältnissen. Die prächtigen Fassaden drüben in der Altstadt... sie stehen zu einem guten Teil auf der Arbeit dieser Leute.
Und noch etwas: Ein paar Straßen weiter südöstlich beginnt das sogenannte Franzosenviertel. Nach dem Krieg von 1870 und 1871 legte man dort ein ganzes Quartier an und benannte die Straßen nach Schlachtorten: Wörth, Sedan, Weißenburg, Orleans. Heute ist dort von Kriegsstimmung nichts mehr zu spüren, nur Cafés, Altbauten und Fahrräder... und ein Bahnhof, der ausgerechnet Ostbahnhof heißt, an einem Platz, der nach einer französischen Stadt benannt ist.
Wer genauer hinschaut, findet in den Seitengassen noch niedrige Häuschen aus der Zeit, als Haidhausen arm war. In der Kirchenstraße sammelt ein kleines Stadtteilmuseum die Erinnerungen an dieses alte Haidhausen. Eines dieser Häuschen schauen wir uns gleich an. Geh ein kleines Stück nach Südosten bis zur Preysingstraße, dort wartet ein Holzhaus, das schon einmal umgezogen ist.