Paulaner am Nockherberg: Fastenbier und Derblecken
Why is it significant?
Atme durch, du hast den Hang geschafft: Vor dir liegen der große Festsaal und ein Biergarten unter Kastanien, und hinter dir fällt der Nockherberg zurück in die Au ab. Hier oben endet unser Spaziergang, und zwar mit einer Geschichte über fromme Männer und sehr starkes Bier. Im 17.
Key Facts
| Place | Paulaner am Nockherberg: Fastenbier und Derblecken |
|---|---|
| Address | Hochstraße 77, 81541 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.12160, 11.58240 |
| Part of Walk | Jenseits der Isar: Verborgenes München zwischen Praterinsel, Haidhausen und der Au |
| Generated | Generated |
Atme durch, du hast den Hang geschafft: Vor dir liegen der große Festsaal und ein Biergarten unter Kastanien, und hinter dir fällt der Nockherberg zurück in die Au ab. Hier oben endet unser Spaziergang, und zwar mit einer Geschichte über fromme Männer und sehr starkes Bier.
Im 17. Jahrhundert holte der bayerische Kurfürst Mönche aus Italien nach München, Paulaner, benannt nach dem heiligen Franz von Paola. Sie ließen sich unten in der Au nieder und hielten strenge Fastenzeiten. Feste Nahrung war da knapp, aber es galt der alte Grundsatz: Flüssiges bricht das Fasten nicht. Also brauten die Mönche ein besonders kräftiges, malziges Bier, ein flüssiges Brot für die Wochen vor Ostern.
Die Legende erzählt, die Mönche hätten sich Sorgen gemacht, ob so ein Genuss in der Fastenzeit überhaupt erlaubt sei, und ein Fass zum Papst nach Rom geschickt. Auf der langen Reise über die Alpen sei das Bier sauer geworden, der Papst habe gekostet, das Gesicht verzogen und gesagt: Das dürfen sie ruhig trinken, das ist Buße genug. Ob es so war? Niemand weiß es. Aber erzählt wird es hier bei jeder Maß.
Aus dem Fastenbier wurde der Salvator, und aus dem Ausschank wurde ein Ritual. Jedes Jahr zur Starkbierzeit kommt die bayerische Politik hierher, sitzt in der ersten Reihe und lässt sich derblecken, also öffentlich aufs Korn nehmen, von einer Fastenpredigt und einem Singspiel, live im Fernsehen. Wer gut einstecken kann, gewinnt Sympathien. Wer beleidigt schaut, hat verloren.
Die Brauerei selbst ist inzwischen an den Stadtrand gezogen, und auf dem alten Brauereigelände unten am Hang wohnen heute Menschen. Aber der Nockherberg bleibt der Ort, an dem München einmal im Jahr über sich selbst lacht. Von der Praterinsel bis hierher hast du die andere Seite der Isar gesehen: Herbergen, Bierkeller, ein Volksbad und einen Fluss, der wieder frei sein darf. Prost... und servus.