Mariahilfplatz & Auer Dult: Häferl, Herbergen und Hochwasser
Why is it significant?
Vor dir öffnet sich ein weiter, fast leerer Platz, und in seiner Mitte steht eine Kirche aus Backstein mit einem spitzen, durchbrochenen Turm, der in den Himmel zeigt wie ein steinernes Ausrufezeichen. An den meisten Tagen parken hier Autos und Tauben picken.
Key Facts
| Place | Mariahilfplatz & Auer Dult: Häferl, Herbergen und Hochwasser |
|---|---|
| Address | Mariahilfplatz, 81541 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.12540, 11.58300 |
| Part of Walk | Jenseits der Isar: Verborgenes München zwischen Praterinsel, Haidhausen und der Au |
| Generated | Generated |
Vor dir öffnet sich ein weiter, fast leerer Platz, und in seiner Mitte steht eine Kirche aus Backstein mit einem spitzen, durchbrochenen Turm, der in den Himmel zeigt wie ein steinernes Ausrufezeichen. An den meisten Tagen parken hier Autos und Tauben picken. Aber stell dir den Platz an neun Tagen im Frühling vor...
denn dreimal im Jahr verwandelt er sich. Dann ist Auer Dult: im Frühjahr die Maidult, im Hochsommer die Jakobidult, im Herbst die Kirchweihdult. Hunderte Stände verkaufen Kochtöpfe, Holzlöffel, Bürsten, Steingut, alte Bücher, Antiquitäten und Trödel, dazwischen ein Kettenkarussell und Schiffschaukeln. Die Tradition solcher Märkte reicht in München bis ins 14. Jahrhundert zurück, und hier am Mariahilfplatz wird die Dult seit Anfang des 20. Jahrhunderts gefeiert. Wer in München ein Häferl, eine Tasse, oder einen Messbecher braucht, wartet oft einfach bis zur nächsten Dult.
Die Kirche dahinter, Mariahilf, wurde in den 1830er-Jahren nach Plänen von Joseph Daniel Ohlmüller gebaut. Sie gehört zu den frühen großen neugotischen Kirchen in Deutschland, damals eine kleine Revolution, denn man baute wieder Spitzbögen wie im Mittelalter. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie schwer beschädigt und danach wieder aufgebaut.
Die Au selbst war über Jahrhunderte das Armenviertel vor der Stadt. Sie liegt tief, direkt am Fluss, und wenn die Isar über die Ufer trat, stand das Wasser in den Stuben. In engen Gassen drängten sich Herbergen, wie du sie in Haidhausen gesehen hast, bewohnt von Flößern, Taglöhnern, Wäscherinnen und Handwerkern, die vom Wasser der Mühlbäche lebten. Die Auer galten in der Stadt als eigenes Völkchen, arm, aber stolz und schlagfertig. Erst 1854 wurde die Au ein Teil von München.
Wenn du genau hinschaust, entdeckst du in den Seitenstraßen noch einzelne niedrige Häuschen zwischen den Mietshäusern... Überlebende jener Zeit. Jetzt geht es zum Abschluss bergauf: Folge der Straße nach Süden den Hang hinauf, zum Nockherberg, wo Mönche einst ein sehr starkes Bier erfunden haben.