Wedekindplatz: Der Dichter mit der Laute
Why is it significant?
Ein kleiner, schiefer Platz mit Bäumen, ein paar Kneipen, Fahrräder, Studenten auf den Bänken: Der Wedekindplatz ist kein Ort für große Gesten. Und doch trägt er den Namen eines der größten Provokateure, die das deutsche Theater je hatte.
Key Facts
| Place | Wedekindplatz: Der Dichter mit der Laute |
|---|---|
| Address | Wedekindplatz, 80802 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.16150, 11.58900 |
| Part of Walk | Schwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten |
| Generated | Generated |
Ein kleiner, schiefer Platz mit Bäumen, ein paar Kneipen, Fahrräder, Studenten auf den Bänken: Der Wedekindplatz ist kein Ort für große Gesten. Und doch trägt er den Namen eines der größten Provokateure, die das deutsche Theater je hatte.
Frank Wedekind kam aus Hannover und wurde in München zur Legende. Sein Stück Frühlings Erwachen über die Not von Jugendlichen, denen niemand die Wahrheit über Liebe und Sexualität sagt, schrieb er schon 1891. Auf die Bühne kam es erst Jahre später, und auch dann nur mit Streichungen der Zensur. Seine Lulu-Stücke galten als so unmoralisch, dass Wedekind sein halbes Leben mit Behörden und Zensoren stritt. Er war kein bequemer Mensch: Er provozierte, beleidigte, verlangte Aufmerksamkeit, und zugleich war er ein genauer Beobachter einer Gesellschaft, die nach außen fromm tat und nach innen ganz anders lebte.
1901 gründete sich in München Die Elf Scharfrichter, eines der ersten Kabaretts in Deutschland. Die Mitglieder traten mit Henkersmasken auf, und mitten unter ihnen stand Wedekind mit seiner Laute und sang mit scharfer, fast unangenehmer Stimme Balladen über Mord, Moral und Heuchelei. Das Publikum war entsetzt und begeistert zugleich... genau das, was er wollte.
Wie gefährlich Spott damals war, hatte Wedekind schon erfahren. Für ein Gedicht im Simplicissimus, das sich über die Palästinareise Kaiser Wilhelms des Zweiten lustig machte, wurde er wegen Majestätsbeleidigung verurteilt und saß 1899 und 1900 monatelang in Festungshaft. Die Satire hatte einen Preis, und Schwabing hat ihn bezahlt, wieder und wieder.
Rund um diesen Platz schlägt bis heute das Herz des alten Schwabing, mit Kneipen, kleinen Bühnen und Leuten, die nachts lange draußen sitzen. Wedekind starb 1918, im letzten Kriegsjahr, und ganz Schwabing soll zu seiner Beerdigung gekommen sein. Seine Tochter Pamela wurde später selbst Sängerin und Schauspielerin und war eine Zeit lang mit Klaus Mann verlobt, so eng waren die Fäden in diesem Viertel gesponnen. Jetzt geh nur ein paar Schritte weiter nach Osten, zur Ecke Haimhauserstraße und Ursulastraße. Dort lebt seine Tradition ganz direkt weiter.