Seidlvilla: Die Villa, die die Nachbarn retteten
Why is it significant?
Hinter einem kleinen Park am Nikolaiplatz steht eine helle Villa mit hohem Dach, mitten zwischen Mietshäusern, wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Das ist die Seidlvilla, und sie erzählt eine typische Schwabinger Geschichte, nur mit einem ungewöhnlich guten Ende.
Key Facts
| Place | Seidlvilla: Die Villa, die die Nachbarn retteten |
|---|---|
| Address | Nikolaiplatz 1b, 80802 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.15860, 11.58760 |
| Part of Walk | Schwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten |
| Generated | Generated |
Hinter einem kleinen Park am Nikolaiplatz steht eine helle Villa mit hohem Dach, mitten zwischen Mietshäusern, wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Das ist die Seidlvilla, und sie erzählt eine typische Schwabinger Geschichte, nur mit einem ungewöhnlich guten Ende.
Entworfen hat sie um 1905 Emanuel von Seidl, einer der gefragtesten Architekten der Prinzregentenzeit, der für das Münchner Großbürgertum Villen und Landhäuser baute. Sein Bruder Gabriel von Seidl entwarf unter anderem das Bayerische Nationalmuseum, und gemeinsam prägten die beiden das Gesicht des Münchens um 1900. Damals verwandelte sich Schwabing vom Bauerndorf in ein Viertel, in dem neben armen Künstlern auch wohlhabende Familien wohnten. Die Bohème saß in den Dachkammern, das Bürgertum in Villen wie dieser, und manchmal kauften die einen den anderen ein Bild ab.
In den Siebzigerjahren sollte die Villa abgerissen werden, um Platz für Neubauten zu schaffen. Da wehrten sich die Nachbarn. Eine Bürgerinitiative sammelte Unterschriften, demonstrierte und schrieb Briefe, bis die Villa gerettet war. Heute ist die Seidlvilla ein Bürger- und Kulturzentrum, mit Lesungen, Konzerten, Ausstellungen und Kursen.
Und das passt erstaunlich gut zum Thema dieses Spaziergangs. Wo früher private Salons Dichter und Maler zusammenbrachten, lesen heute Autorinnen und Autoren vor Publikum aus dem Viertel. Der Salon ist sozusagen öffentlich geworden. Schwabing hat seine Bohème lange verloren, die Mieten sind dafür viel zu hoch, aber die Lust, sich zu treffen und zu streiten, ist geblieben. Die Klage, Schwabing sei nicht mehr, was es einmal war, ist übrigens fast so alt wie die Schwabinger Bohème selbst, und jede Generation stimmt sie aufs Neue an.
In München sagt man gern, Schwabing sei kein Ort, sondern ein Zustand. Das klingt nach Werbung, ist aber halb wahr: Die Häuser stehen noch, die Leute sind andere, und doch erkennt man an Abenden wie diesen etwas wieder. Geh jetzt die Nikolaistraße nach Norden, quer durch das alte Schwabing, bis zu einem kleinen Platz, der den Namen eines Skandaldichters trägt.