Lach- und Schießgesellschaft: Kabarett gegen die Obrigkeit
Why is it significant?
An der Ecke Haimhauserstraße und Ursulastraße hängt ein Schild mit einem Namen, über den jeder zuerst stolpert: Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Hinter der Tür ist ein kleiner Saal, eng bestuhlt, mit einer winzigen Bühne, und seit Jahrzehnten wird hier über die Mächtigen gelacht.
Key Facts
| Place | Lach- und Schießgesellschaft: Kabarett gegen die Obrigkeit |
|---|---|
| Address | Ursulastraße 9, 80802 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.16200, 11.59080 |
| Part of Walk | Schwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten |
| Generated | Generated |
An der Ecke Haimhauserstraße und Ursulastraße hängt ein Schild mit einem Namen, über den jeder zuerst stolpert: Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Hinter der Tür ist ein kleiner Saal, eng bestuhlt, mit einer winzigen Bühne, und seit Jahrzehnten wird hier über die Mächtigen gelacht.
Der Name ist ein Wortspiel. Er verdreht die Wach- und Schließgesellschaft, die es damals in vielen deutschen Städten als Wachdienst gab. Statt zu bewachen und abzuschließen wird hier gelacht und geschossen, mit Worten natürlich. Gegründet wurde die Bühne 1956 von dem Kabarettisten Dieter Hildebrandt und dem Sportreporter und Regisseur Sammy Drechsel.
Die Lach- und Schießgesellschaft wurde schnell zur bekanntesten Kabarettbühne der jungen Bundesrepublik. Ihre Programme liefen im Fernsehen, ganze Familien saßen davor, und die Pointen über Kanzler, Minister und Wiederbewaffnung wurden am nächsten Tag im Büro nacherzählt. Im Saal selbst saßen die Zuschauer so nah an der Bühne, dass jede Pointe wie ein persönlicher Angriff wirkte, und genau diese Nähe machte den Abend gefährlich und lustig zugleich. In einem Land, das über seine jüngste Vergangenheit lieber schwieg, war das politische Kabarett eine der wenigen Stimmen, die laut und öffentlich nachfragten.
Dass das Lachen auch in der Demokratie nicht immer willkommen war, zeigte sich später. Als Hildebrandt mit seiner Fernsehsendung Scheibenwischer 1986 kurz nach Tschernobyl die Atompolitik aufs Korn nahm, schaltete sich der Bayerische Rundfunk aus der gemeinsamen Ausstrahlung aus. Ganz Deutschland sah die Sendung, nur Bayern nicht... und genau das sorgte dafür, dass am Ende jeder darüber sprach.
Wenn du an dieser Ecke stehst, siehst du die ganze Linie dieses Spaziergangs: von der Kneipe der Satiriker über die Elf Scharfrichter und Wedekinds Laute bis zu dieser kleinen Bühne. Hildebrandt starb 2013, aber der Saal spielt weiter, mit neuen Leuten und denselben Zielen. Jetzt geh die Feilitzschstraße nach Osten, über die Königinstraße hinweg in den Englischen Garten, bis zum See.