Kleinhesseloher See: Der Garten der Bohème
Why is it significant?
Nach all den Straßen öffnet sich vor dir plötzlich Wasser: ein ruhiger See mit kleinen Inseln, Enten, Ruderbooten und alten Bäumen, und am Ufer ein Biergarten, in dem die Schwabinger ihren Feierabend verbringen. Willkommen am Kleinhesseloher See im Englischen Garten.
Key Facts
| Place | Kleinhesseloher See: Der Garten der Bohème |
|---|---|
| Address | Kleinhesselohe 3, 80802 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.15940, 11.59610 |
| Part of Walk | Schwabing und die Bohème: Münchens Viertel der Dichter, Maler und Kabarettisten |
| Generated | Generated |
Nach all den Straßen öffnet sich vor dir plötzlich Wasser: ein ruhiger See mit kleinen Inseln, Enten, Ruderbooten und alten Bäumen, und am Ufer ein Biergarten, in dem die Schwabinger ihren Feierabend verbringen. Willkommen am Kleinhesseloher See im Englischen Garten.
Der Englische Garten selbst ist älter als das Künstlerviertel nebenan. Ab 1789 ließ Kurfürst Karl Theodor ihn auf Anregung von Benjamin Thompson, dem späteren Grafen Rumford, anlegen, und der Gartenkünstler Friedrich Ludwig von Sckell gab ihm seine natürlich wirkende Form. Es war einer der ersten großen Volksparks Europas, ein Garten nicht für den Hof, sondern für alle. Rumford, ein Amerikaner in bayerischen Diensten, ist übrigens auch der Namensgeber der Rumfordsuppe, einer nahrhaften Suppe aus Graupen, Erbsen und Kartoffeln, mit der er Soldaten und Arme satt machen wollte. Der See kam zu Beginn des 19. Jahrhunderts dazu, als der Park nach Norden wuchs.
Für die Bohème war dieser Park das gemeinsame Wohnzimmer. Wer in einer engen Dachkammer wohnte, ging hierher, um zu lesen, zu streiten, sich zu verlieben oder einfach dem Vermieter aus dem Weg zu gehen. Maler stellten ihre Staffeleien auf die Wiesen, Dichter liefen mit Notizbüchern um den See, und an Sommerabenden war das Ufer voller Stimmen.
Denk noch einmal an die Leute, denen du heute begegnet bist: Kathi Kobus und Ringelnatz im Simpl, Kandinsky und Münter in der Ainmillerstraße, die junge Familie Mann, Reventlow auf dem Markt, Lenin unter falschem Namen, Wedekind mit der Laute, Hildebrandt an der Ecke. Sie haben alle in diesen wenigen Straßen gelebt, oft gleichzeitig, und viele von ihnen sind sich auf den Wegen dieses Parks begegnet.
Die Bohème ist längst weitergezogen, aber etwas von ihr ist geblieben: die Lust, anders zu leben, laut zu denken und über die Obrigkeit zu lachen. Setz dich ans Ufer, schau aufs Wasser und lass Schwabing einfach ein Zustand sein... Unser Spaziergang endet hier, mitten im Grünen, so wie für viele Schwabinger ein langer Tag bis heute endet.