Platz der Opfer des Nationalsozialismus
Why is it significant?
In der kleinen Grünanlage steht eine dunkle Säule, und in ihrem Inneren, hinter einem Gitter, brennt eine Flamme. Autos rauschen über die Brienner Straße, Menschen warten auf die Tram, und die Flamme brennt einfach weiter, Tag und Nacht. Das ist der Platz der Opfer des Nationalsozialismus.
Key Facts
| Place | Platz der Opfer des Nationalsozialismus |
|---|---|
| Address | Platz der Opfer des Nationalsozialismus, Brienner Straße, 80333 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.14280, 11.57310 |
| Part of Walk | München 1933–1945: NS-Zeit, Widerstand und die Weiße Rose |
| Generated | Generated |
In der kleinen Grünanlage steht eine dunkle Säule, und in ihrem Inneren, hinter einem Gitter, brennt eine Flamme. Autos rauschen über die Brienner Straße, Menschen warten auf die Tram, und die Flamme brennt einfach weiter, Tag und Nacht. Das ist der Platz der Opfer des Nationalsozialismus.
Den Namen trägt der Platz seit 1946, und er ist nicht zufällig gewählt. Schräg gegenüber, an der Ecke von Brienner Straße und Türkenstraße, stand das Wittelsbacher Palais, ein neugotischer Bau, in dem König Ludwig I. nach seiner Abdankung gewohnt hatte. Ab 1933 zog dort die Politische Polizei ein, später die Gestapo-Leitstelle München. Im Keller lag ein Hausgefängnis.
Hierher brachte man Hans und Sophie Scholl nach ihrer Verhaftung am 18. Februar 1943. Sophie wurde von dem Gestapo-Beamten Robert Mohr verhört. Zuerst stritt sie alles ab, und nach Mohrs eigenen späteren Angaben hätte sie ihn beinahe überzeugt. Dann fand man Beweise in der Wohnung, und sie übernahm die Verantwortung, ohne die Freunde zu verraten. Vier Tage später stand sie vor Gericht.
Für viele andere begann hier ein Weg, der in Dachau, in Gefängnissen oder in den Vernichtungslagern endete: politische Gegner, Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Menschen, die nur einen Witz zu viel erzählt hatten. Das Palais wurde im Krieg zerstört, die Ruine später abgerissen, und heute steht an der Stelle ein Bankgebäude. Nichts erinnert dort mehr an die Zellen im Keller. Gerade deshalb steht das Gedenken hier, auf der anderen Straßenseite, wo jeder vorbeikommt, der vom Odeonsplatz zum Königsplatz geht.
Die Säule mit der Flamme wurde 1985 aufgestellt, und vor einigen Jahren hat man den Platz neu gestaltet, damit er nicht länger wie eine Verkehrsinsel wirkt. Bleib einen Moment stehen. Es ist einer der wenigen Orte in München, die nur diesem Gedenken gehören. Geh nun die Brienner Straße nach Westen, über den Karolinenplatz mit dem Obelisken hinweg, bis zu den zwei hellen, strengen Steinbauten an der Arcisstraße.