Führerbau und die Sockel der Ehrentempel
Why is it significant?
Vor dir steht ein langer, heller Steinbau mit strengen Pfeilern, zwei Balkonen über den Eingängen und keinerlei Verzierung. Heute klingen aus den Fenstern Geigen, Klavierläufe und Gesangsübungen, denn hier sitzt die Hochschule für Musik und Theater.
Key Facts
| Place | Führerbau und die Sockel der Ehrentempel |
|---|---|
| Address | Arcisstraße 12, 80333 München, Germany |
| Geo Coordinates | 48.14650, 11.56720 |
| Part of Walk | München 1933–1945: NS-Zeit, Widerstand und die Weiße Rose |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein langer, heller Steinbau mit strengen Pfeilern, zwei Balkonen über den Eingängen und keinerlei Verzierung. Heute klingen aus den Fenstern Geigen, Klavierläufe und Gesangsübungen, denn hier sitzt die Hochschule für Musik und Theater. Gebaut wurde das Haus aber für einen ganz anderen Zweck: als Führerbau, Hitlers Repräsentationsbau in der Hauptstadt der Bewegung.
Entworfen hat ihn Paul Ludwig Troost, Hitlers bevorzugter Architekt, der 1934 starb, bevor der Bau 1937 fertig wurde. Gegenüber, auf der anderen Seite der Brienner Straße, steht sein fast identischer Zwilling, der Verwaltungsbau der Partei, in dem die Mitgliederkartei der NSDAP lag. Zusammen bildeten die beiden Bauten das Tor zum Königsplatz, den die Partei zur Weihestätte umgebaut hatte.
In der Nacht vom 29. auf den 30. September 1938 unterschrieben hier Hitler, Mussolini, der britische Premier Neville Chamberlain und der französische Ministerpräsident Édouard Daladier das Münchner Abkommen. Die Tschechoslowakei musste das Sudetenland abtreten, und ihre Vertreter saßen nicht mit am Tisch. Chamberlain flog zurück nach London und sprach vom Frieden für unsere Zeit. Ein knappes Jahr später begann der Zweite Weltkrieg.
Geh jetzt ein paar Schritte zur Brienner Straße und schau auf die beiden quadratischen Sockel links und rechts der Straße, die heute von Bäumen und Gebüsch überwuchert sind. Hier standen ab 1935 die sogenannten Ehrentempel, offene Säulenhallen mit den Sarkophagen der sechzehn beim Putsch 1923 getöteten Nationalsozialisten, bewacht von der SS. Im Januar 1947 sprengte die amerikanische Armee die Tempel. Die Sockel blieben, und man ließ die Natur darüber wachsen... ein Denkmal durch Verwilderung.
Nach dem Krieg bekamen die beiden Parteibauten eine überraschende Aufgabe. Die Amerikaner richteten hier den Central Collecting Point ein, eine Sammelstelle für Kunst, die die Nationalsozialisten in ganz Europa geraubt hatten. Hunderttausende Werke wurden hier erfasst und an ihre Herkunftsländer zurückgegeben. Der Bau, in dem Europa verhandelt wurde, half so, einen Teil des Raubes wiedergutzumachen. Geh jetzt hinüber zu dem weißen Würfel auf der Südseite der Brienner Straße.