Staatliche Antikensammlungen

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Stell dich unten an die breite Freitreppe und schau hinauf zu den Säulenköpfen. Sie sind über und über mit steinernen Akanthusblättern bewachsen, gekräuselt wie Wirsing.

Key Facts

PlaceStaatliche Antikensammlungen
AddressKönigsplatz 1, 80333 München, Germany
Geo Coordinates48.14510, 11.56530
Part of WalkIsar-Athen: Königsplatz, Pinakotheken und das Kunstareal in München
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Stell dich unten an die breite Freitreppe und schau hinauf zu den Säulenköpfen. Sie sind über und über mit steinernen Akanthusblättern bewachsen, gekräuselt wie Wirsing. Das ist die korinthische Ordnung, die üppigste der drei griechischen Säulenarten... und du stehst gerade in einem Lehrbuch aus Stein.

Denn der Königsplatz ist genau so gebaut. Gegenüber, an der Glyptothek, stehen ionische Säulen mit ihren eleganten Schnecken. Im Westen, am großen Tor, dorische, die strengsten und schlichtesten. Drei Gebäude, drei Ordnungen, und in der Mitte eine Wiese: So stellte sich Kronprinz Ludwig ein griechisches Forum an der Isar vor.

Dieses Haus hier entwarf Georg Friedrich Ziebland, gebaut wurde es von 1838 bis 1848, ursprünglich als Ausstellungsgebäude für Kunst und Gewerbe. Seit 1967 wohnen hier die Staatlichen Antikensammlungen, und ihre griechischen Vasen gehören zu den bedeutendsten der Welt. Der berühmteste Star ist eine flache Trinkschale des Malers Exekias, um 530 vor Christus. Darauf liegt der Gott Dionysos in einem Schiff, aus dem Mast wächst eine Weinrebe, und rundherum springen Delfine.

Die Delfine sind kein Dekor. Die Sage erzählt, dass Piraten den jungen Gott entführen wollten. Da ließ er Wein über das Deck fließen und Reben um den Mast wachsen, die Seeräuber sprangen in Panik über Bord und wurden zu Delfinen. Ein antiker Trinkspruch also: Wer beim Wein den Gott nicht achtet, landet im Wasser. Wenn du die Schale drinnen siehst, schau auf das Segel... es leuchtet weiß auf dem roten Grund, als hätte der Maler den Wind gleich mitgemalt.

Kurios ist auch, wo viele dieser griechischen Meisterwerke gefunden wurden: in etruskischen Gräbern in Italien. Die Etrusker liebten Importware aus Athen und nahmen sie mit ins Jenseits, und als man diese Gräber im 19. Jahrhundert öffnete, kaufte Ludwig mit Begeisterung zu. So kam attisches Geschirr über Umwege an die Isar, zweieinhalb Jahrtausende nach dem letzten Symposion, bei dem jemand daraus getrunken hat. Neben den Vasen glänzt in den Vitrinen übrigens etruskischer und griechischer Goldschmuck, so fein gearbeitet, dass man eine Lupe bräuchte. Überquer jetzt den Platz nach Norden, zum Gebäude mit den ionischen Säulen und den fensterlosen Mauern.

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