Iglesia de San Sebastián: Lopes verlorenes Grab
Why is it significant?
Die Kirche vor dir hat zwei Eingänge, einen an der lauten Calle de Atocha und einen an der stillen Seitengasse, und genau damit beginnt ein großer Roman.
Key Facts
| Place | Iglesia de San Sebastián: Lopes verlorenes Grab |
|---|---|
| Address | Calle de Atocha 39, 28012 Madrid, Spain |
| Geo Coordinates | 40.41390, -3.70240 |
| Part of Walk | Lope, Cervantes und der Zerrspiegel: Madrids Literatenviertel rund um die Calle de las Huertas |
| Generated | Generated |
Die Kirche vor dir hat zwei Eingänge, einen an der lauten Calle de Atocha und einen an der stillen Seitengasse, und genau damit beginnt ein großer Roman. Benito Pérez Galdós eröffnete 1897 sein Buch Misericordia mit der Beobachtung, dass die Pfarrei San Sebastián zwei Gesichter habe, so wie manche Menschen.
Galdós interessierte sich weniger für die Kirche als für die Menschen vor ihrer Tür: die Bettler, die hier jeden Morgen saßen und um Almosen baten. Seine Heldin Benina, eine alte Dienstmagd, bettelt heimlich an dieser Kirche, um ihre verarmte Herrin durchzubringen, ohne dass die es merkt. Sie gilt als eine der warmherzigsten Figuren der spanischen Literatur... und ihre Bühne ist dieser Gehweg.
Für die Literaturgeschichte ist San Sebastián aber vor allem ein Grab, das es nicht mehr gibt. 1635 starb Lope de Vega, der gefeiertste Dramatiker seiner Zeit, und halb Madrid folgte seinem Sarg. Er wurde hier beigesetzt, in einer Gruft, für die regelmäßig gezahlt werden musste. So wird erzählt, dass irgendwann niemand mehr zahlte, die Gebeine in ein Sammelgrab wanderten... und seitdem weiß niemand, wo Lope liegt.
Auch die Kirche selbst hat schwere Zeiten hinter sich. Im Bürgerkrieg, 1936, wurde sie von Bomben getroffen und schwer beschädigt, vieles von dem, was du heute siehst, ist Wiederaufbau. Geblieben ist das Gedächtnis auf Papier: In den alten Kirchenbüchern stehen Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse von Dichtern, Schauspielern und Architekten. Die Pfarrei war so etwas wie das Standesamt der Madrider Kultur.
Jetzt nimm die Calle de las Huertas, die gleich neben der Kirche beginnt, und geh sie bergab nach Osten. Achte auf den Boden: Ins Pflaster sind in goldenen Buchstaben Zitate der Autoren eingelassen, die hier gelebt haben. Unterwegs kommst du an der Casa Alberto vorbei, einer Taverne, die es seit 1827 gibt. An der Calle del León biegst du links ab, dann rechts in die Calle de Cervantes, und schon stehst du vor Lopes Haus.