Descalzas Reales: Das Kloster der Kaisertöchter
Why is it significant?
Vor dir steht eine schlichte, fast abweisende Fassade aus Ziegel und Stein, kaum Schmuck, ein paar vergitterte Fenster. Mitten im Einkaufsgewühl würdest du an diesem Haus einfach vorbeigehen... und genau das ist sein Geheimnis.
Key Facts
| Place | Descalzas Reales: Das Kloster der Kaisertöchter |
|---|---|
| Address | Plaza de las Descalzas 3, 28013 Madrid, Spain |
| Geo Coordinates | 40.41870, -3.70630 |
| Part of Walk | Das Madrid der Habsburger: Von der Puerta del Sol zum Königspalast |
| Generated | Generated |
Vor dir steht eine schlichte, fast abweisende Fassade aus Ziegel und Stein, kaum Schmuck, ein paar vergitterte Fenster. Mitten im Einkaufsgewühl würdest du an diesem Haus einfach vorbeigehen... und genau das ist sein Geheimnis.
Das Monasterio de las Descalzas Reales gründete 1559 Johanna von Österreich, eine Tochter Kaiser Karls V. Sie war in diesem Gebäude zur Welt gekommen, damals ein Stadtpalast, und verwandelte es in ein Kloster für die barfüßigen Klarissen. Johanna war mit neunzehn Jahren Witwe eines portugiesischen Prinzen und regierte danach einige Jahre Spanien, während ihr Bruder Philipp II. im Ausland war. Ihr Sohn Sebastian, der junge König von Portugal, fiel 1578 in einer Schlacht in Marokko, und um sein Verschwinden ranken sich bis heute Legenden. Und sie ist, so erzählen es die Historiker, die einzige Frau, die je heimlich in den Jesuitenorden aufgenommen wurde, unter einem Männernamen.
Nach ihr kamen andere Frauen aus der Familie, und sie brachten mit, was Habsburger eben so besaßen. Die Tochter Philipps II., Isabella Clara Eugenia, Statthalterin in Brüssel, ließ für das Kloster eine Serie riesiger Wandteppiche nach Entwürfen von Rubens weben, den Triumph der Eucharistie. Dazu Gemälde, Reliquien, Kapellen voller Gold, alles hinter dieser grauen Mauer. Viele Nonnen stammten selbst aus dem Hochadel und brachten ihre Mitgift mit, oft in Form von Kunst.
Eine der Bewohnerinnen verbindet Madrid direkt mit Wien. Kaiserin Maria, ebenfalls eine Tochter Karls V., war mit Kaiser Maximilian II. verheiratet und lebte lange in Wien. Als Witwe kehrte sie nach Madrid zurück und zog hierher, zu ihrer Tochter, die Nonne geworden war. Für ihr Begräbnis 1603 komponierte ihr Kaplan und Organist des Klosters, Tomás Luis de Victoria, ein Requiem, das zu den schönsten Werken der Renaissance gehört. Die kleine Straße gleich um die Ecke trägt seinen Namen.
Bis heute leben hier Nonnen in strenger Klausur, mitten zwischen Kaufhäusern und Straßenmusikern. Jetzt geh nach Süden, quer über die Calle del Arenal und die Calle Mayor, bis du durch einen Torbogen auf einen riesigen, rundum geschlossenen Platz trittst.